Rauchen im Stadion – was du als Fan bei der EM 2024 wissen solltest

Die Fußball-Europameisterschaft 2024 steht vor der Tür. Da fragen sich einige vielleicht: Rauchen im Stadion, ist das denn erlaubt? Welche Regeln gelten grundsätzlich und insbesondere für die Euro 2024? Und muss man auf Zigaretten, vielleicht sogar auf Vapes gänzlich verzichten - ja, darf man im Fußballstadion eigentlich Snus konsumieren? Damit du als Stadionbesucher keine „rote Karte“ kassierst, sind wir in die Recherche gestiegen und haben im Folgenden das Wichtigste zusammengefasst. Außerdem liest du, was Snus mit Fußball zu tun hat und wie namhafte Fußballspieler ihren Konsum rechtfertigen (könnten).

Darf man im Stadion rauchen?

Ob Diego Maradona mit einer Zigarre auf der Tribüne oder Maurizio Sarri und einst Ernst Happel in der technischen Zone im ständigen Wechselspiel mit einem neuen Glimmstängel – das sind Bilder, wie man sie von früher nur allzu gut kennt. Und damals hatte auch keiner im Publikum Bedenken, ging es um das Anzünden einer Zigarette.

Spätestens mit der Einführung von Nichtraucherschutzgesetzen und ersten Rauchverboten im europäischen Raum kam es beim Thema Rauchen im Stadion dann aber zu einem merklichen Twist, der Fußballverbände und -vereine in ganz Europa dazu anregte, Rauchverbote bei Spielen und neue Richtlinien im Sinne des Nichtraucherschutzes in Erwägung zu ziehen. Man erinnert sich vielleicht noch an die Diskussionen des Hamburger SV 2008 über die „erste völlig qualmfreie Arena“. Oder später, an das UEFA Champions League Finale 2014/15 zwischen Juventus und FC Barcelona – dort hieß es nämlich: rauchfreie Zone in allen Innen- und Außenbereichen des Olympiastadions. Und die heute vorliegende „Richtlinie zu Tabakfreiheit im Stadion“ definiert sogar den Goldstandard, nach welchem nicht nur ein generelles Rauchverbot auf dem Stadiongelände ohne Raucherzonen im Sinne des Gesundheitsschutzes intendiert wird, sondern gar Verkauf und Werbung am Gelände verboten werden.

Obwohl sich hier doch vieles getan hat, gibt es bis dato noch keine einheitlichen, alle Fußballstadien umfassenden strengen Regeln. So auch der Grund, dass sich in einzelnen Bundesligastadien ein Qualmverbot nach wie vor als reiner Schall und Rauch versteht und mindestens Raucherzonen zum Genuss der Kippe einladen.

Zumindest die UEFA weiß darauf, geht es doch um ihren Funktionsbereich, ein klares Statement zu geben. So würde ihr zufolge die Raucherlaubnis, auch in den Außenbereichen, die Trennung von Sport und Tabakprodukten gefährden. So oder so gibt sie für die anstehende EM 2024 wenig Spielraum frei.

Stadionordnung EURO 2024 lässt k(l)einen Spielraum für Raucher

Sie hat es angekündigt – nun scheint es fix: Die EM-Stadien sollen rauchfrei sein. Im genauen Wortlaut heißt es seitens der UEFA:

„Alle Stadien der EURO 2024 sind rauchfrei. Daher ist Rauchen, der Gebrauch von E-Zigaretten und erhitzten, nicht brennenden Tabakerzeugnissen nicht gestattet. Bitte nimm Rücksicht auf andere Fans.“

Ob also beim Eröffnungsspiel in der Allianz Arena München, im Deutsche Bank Park (Frankfurt Arena) beim letzten Vorrundenspiel Deutschlands gegen die Schweiz, im Olympiastadion in Berlin oder auch andere Arenen betreffend, die Austragungsort der EM-Spiele sind – sie alle sollen eine rauchfreie Zone bleiben.

Dass es Ausnahmen geben könnte, ahnt man vielleicht, wenn man sich die offizielle Stadionordnung näher ansieht. Unter Punkt 4.2.I  ist nämlich die Rede von möglichen, nach geltendem Recht ausgewiesenen Raucherbereichen, die Ausnahmen gestatten können. Gemeint sein könnten hier am Beispiel der Allianz Arena, wie es mindestens bei anderwärtigen Spielen die Praxis war/ist, ausgewiesene Flächen auf Ebene 4 und 5, auf der Esplanada und den Stadion-Promenaden.

Doch fraglich bleibt, ob es solche tatsächlich geben wird, wenn im strengen Wortlaut von rauchfreien Stadien die Rede ist und wenn im Beispiel von München im selben Zug auf der offiziellen Webseite des EM-Organisators folgende Ankündigung steht:

„Auch wenn du regelmäßig in die Fußball Arena München gehst, könnten manche Dinge im Stadion bei der EURO 2024 anders laufen und die Regeln anders sein, als du es gewohnt bist.“

Falls es Ausnahmen geben wird, bleibt offen, wie sich dies mit der zuvor erwähnten gefährdeten Trennung von Sport und Tabakprodukten – wie die UEFA eben argumentiert – vereinbaren ließe. Auch widerspräche es dem festgehaltenen, erwünschten Goldstandard (ohne Raucherzonen am Gelände) und erst recht der in diesen Richtlinien zu Tabakfreiheit im Stadion festgesetzten Definition von „Rauchfreiheit“ (vgl. S.10), welcher man wohl im Rahmen der Austragung einer EM nicht bloß aus PR-technischen Gründen einiges an Wichtung beimessen könnte.

Feststeht: Rauchen am Gelände wird nur möglich, wenn es dafür ausgewiesene Zonen gibt.

Droht bei Verstoß des Rauchverbots ein Stadionverweis?

Ob beim Spielbesuch, werden die genannten Regeln missachtet, eine „rote Karte“ und gar ein Stadionverweis droht, dazu gibt der Punkt 3.5. der EM-Stadionordnung Aufschluss. Dort heißt es:

„Personen, die sich nicht an die Stadionordnung halten oder ein Sicherheitsrisiko darstellen, erhalten keinen Zutritt zum […] oder werden aus dem Stadion verwiesen. Dies gilt unbeschadet anderer Maßnahmen, die gegen diese Personen ergriffen werden können.“

Untermauert werden solch mögliche Stadionverweise unter Punkt 6.1. Bei Verstoß des Rauchverbotes könnte das Spiel für Zuseher also tatsächlich schneller zu Ende sein, als einem lieb ist.

Wie ist es nun aber um das Thema Snus und tabakfreie Nikotinbeutel bestellt? Dürfen solche konsumiert werden, ohne in Konflikt mit bestehenden Stadionregeln zu kommen?

Ist Snus im Stadion verboten?

Die aktuelle Stadionordnung der UEFA verbietet den Konsum von Snus nicht explizit – eher sind dort Restriktionen bezüglich Rauchen festgehalten. Erwähnt wird der Lutschtabak aber in dem für Sportklubs und/oder Stadionbetreiber vorgelegten Hauptleitfaden zur Annahme einer Tabakkontrollpolitik (vgl. die erwähnten Richtlinien zu Tabakfreiheit im Stadion) durch den Wortlaut „rauchfreie Tabakprodukte wie Oraltabak“. Im Sinne des dort empfohlenen, definierten Goldstandards „tabakfrei“ auf Seite 11 werden Verkauf und Verwendung von Snus im Stadion sogar explizit verboten.

Weil es sich dabei für die EM und ihre Austragungs-Arenen jedoch um kein festgesetztes Regelwerk zu handeln scheint, insbesondere mit dem Anstreben eines Goldstandards eher die Empfehlung im Fokus steht, besteht noch kein allgemein gültiges Verbot für Snus im Stadion.

Hinzukommt, dass der Konsum in Deutschland – resp. der private Gebrauch in kleinen Mengen – nicht illegal ist. Lediglich der Verkauf und das in Inverkehrbringen sind explizit verboten.

Demnach lässt sich schließen, dass der Konsum von Snus im Stadion nicht generell verboten ist. Gut bedient wird man jedenfalls sein, wenn man sich vor dem Spiel die individuelle Hausordnung des jeweiligen Stadions ansieht und prüft, ob ein eventuell gültiger Goldstandard gelten könnte.

Auf Nummer sicher gehen kannst du in jedem Fall, wenn du auf eine auch in Deutschland sehr beliebte Alternative umsteigst – nämlich: tabakfreie Nikotinbeutel. Damit gehst du nämlich auch all jenen möglichen Regeln aus dem Weg, die eine Tabakfreiheit im Stadion betreffen.

Snus im Fußball

Die meisten Profifußballer kennen sie bereits und viele konsumieren sie auch – Snus und tabakfreie Nikotinbeutel setzen einen immer größer werden Trend im Fußball. Laut einer Aussage eines SC Freiburg Spielers gegenüber dem NDR sollen sie sogar von einem Viertel aller Bundesligaspieler konsumiert werden. Doch warum ist das so und wie wird der Konsum im Profisport gerechtfertigt?

Die Snus Wirkung dürfte sicherlich in hohem Maß dazu beitragen, dass der Lutschtabak im Fußball seine Anwendung findet. Gelten doch mentale wie physische Leistungssteigerung, Konzentrationsförderung und Stressabbau – so für den Konsum typisch – als wünschenswerte Effekte unter Fussballspielern. Wenn beispielsweise Jamie Vardy, Victor Lindelöf oder Jamaal Las­celles vor dem Spiel zu Nikotinbeuteln greifen - wie aus diversen Medien bekannt -, so vielleicht genau deshalb – es geht also um Leistungssteigerung und eine bessere Konzentration. Außerdem ist diese Variante des Nikotingenusses rauchfrei und belastet die Lunge nicht.

Wie Kick.Tv in einem Onlinebeitrag außerdem meint, würden auch „kulturelle und soziale Faktoren“ für einen stetig wachsenden Trend verantwortlich sein. Konkret ist die Rede davon, der Zustrom skandinavischer Spieler – unter welchen der Konsum Teil ihrer Kultur sei – in europäische Ligen würde vermehrt andere Spieler mit den Produkten in Kontakt bringen.

Ein Statement von Marcel Thomas bereits aus dem Jahr 2018 zu seiner Zeit in der zweiten Mannschaft bei VfL Bochum(2011-2013) würde dies wohl untermauern. So meinte dieser dazumal, er habe das angebliche Wundermittel damals von einem skandinavischen Bundesligaspieler angeboten bekommen und nehme es seither regelmäßig.