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„Wenn ein Pod auf den Boden fällt, zersetzt er sich – anstatt einfach dort liegen zu bleiben" – Nor im Interview mit Snuzone

Die norwegische Marke Nor hat mit dem NAKD Pod einen Nikotinbeutel entwickelt, der keinen Außenbeutel besitzt und sich dank eines Agar-Bindemittels vollständig kompostiert. Was hinter der Marke steckt, wie die Produktion in Norwegen funktioniert und wohin die Reise geht, liest Du hier.

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Snuzone Redaktion
„Wenn ein Pod auf den Boden fällt, zersetzt er sich – anstatt einfach dort liegen zu bleiben" – Nor im Interview mit Snuzone

Was passiert, wenn ein gebrauchter Nikotinbeutel auf den Boden fällt? Bei den meisten Marken: nichts. Herkömmliche Nikotinbeutel zersetzen sich in der Natur nicht vollständig oder nur sehr langsam und stellen somit eine Umweltbelastung dar. Um das zu verhindern, hat die norwegische Marke Nor den Nikotinbeutel von Grund auf neu gedacht: den „NAKD Pod". Das Versprechen dahinter: Ein beutelfreier Nikotin-Pod, der sich innerhalb weniger Tage selbst auflöst. Entwickelt wurde der Pod von Den Norske Snusfabrikken AS – dem ersten Hersteller in Norwegen, der sich auf Nikotinbeutel und weißen Snus spezialisiert hat. Dass die Fabrik bis heute die einzige ihrer Art in Norwegen ist, war jedoch keineswegs von Anfang an selbstverständlich.

Die Intertabac – die weltweit größte Fachmesse für Tabakwaren und Raucherbedarf, die vom 15. bis 17. September 2026 in Dortmund stattfand – bot Nor eine ideale Gelegenheit, um den „NAKD Pod" einem internationalen Fachpublikum vorzustellen und mit Branche und Handel in den direkten Dialog zu treten.

Die wichtigsten Fakten zu Nor 

Marke Nor
Hersteller Den Norske Snusfabrikken AS (The Norwegian Snus Factory)
Produktionsstätte Våler, Norwegen
Gründer Øyvind Simonsen (CEO), Tony Persson (Technik), Lotta Båtemyr (Qualität)
Gegründet 2022

Interview mit Nor

Auf der Intertabac haben wir die Gelegenheit genutzt, mit Lina Therese Monge, Office Managerin, und Lars Volle, Sales Manager, von Den Norske Snusfabrikken zu sprechen. Im Interview ging es unter anderem um die Themen Nachhaltigkeit, Regulierung und die Zukunftspläne der Marke. Wie geht Nor mit den strengen norwegischen Einheitsverpackungsvorschriften um? Was ist in Zukunft von der Marke zu erwarten – neue Märkte, neue Formate, neue Aromen? Und wie sieht der Produktionsprozess hinter den Nor-Produkten aus? Diese und weitere Fragen werden im Interview beantwortet.

Fast vier Jahre nach der Gründung ist Den Norske Snusfabrikken noch immer die einzige Fabrik in Norwegen, die auf tabakfreie Nikotinbeutel und weißen Snus spezialisiert ist. Wie kam es dazu – und was hat die Gründer bewegt, diesen Weg einzuschlagen?

Monge: Nor wurde von Tony Persson und Lotta Båtemyr gegründet, die jeweils über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Zusammenarbeit mit einigen der größten Namen der Branche verfügen – Swedish Match, Philip Morris und British American Tobacco. Tony gehörte zu dem Team, das Epok entwickelte, eines der allerersten komplett tabakfreien Nikotinbeutel. Sie schlossen sich mit Øyvind Simonsen zusammen, der Epok als Vertriebspartner nach Norwegen brachte. Nachdem sie ihre gesamte berufliche Laufbahn in diesem Bereich verbracht hatten, gründeten sie Nor: die einzige Snus-Fabrik in Norwegen, betrieben von Menschen, die diese Produktkategorie in- und auswendig kennen. Externe Finanzierung gab es nicht – die Gründer investierten ihr eigenes Geld, um in einer Branche Fuß zu fassen, deren Einstieg in jeder Hinsicht kostspielig ist. Nun, da die Fabrik in Betrieb ist, zahlt sich diese Vorarbeit aus: Die finanzielle Grundlage steht, und der Fokus hat sich auf Marketing und den weiteren Aufbau der Marke verlagert.

Wie wirkt sich aus Ihrer Sicht die Tatsache, dass Nor Nikotinbeutel in Norwegen hergestellt werden, im Vergleich zu Produkten anderer Anbieter auf dem Markt aus?

Monge & Volle: Zum einen ist „Nor" zu 100 % norwegisch – entwickelt in unserer eigenen Produktionsstätte in Norwegen. Was uns jedoch wirklich auszeichnet, ist, dass wir alles selbst machen. Wir kaufen die Rohstoffe ein und mischen die Produkte selbst im eigenen Haus – was in dieser Branche nicht üblich ist. Viele Marken produzieren nicht dort, wo sie verkaufen, geschweige denn, dass sie den gesamten Prozess von Anfang bis Ende kontrollieren. Da wir das tun, wissen wir genau, was in jedem einzelnen Beutel enthalten ist, und das bedeutet auch, dass wir experimentieren können: Wir testen neue Ideen in kleinen Chargen, anstatt uns gleich auf eine vollständige Produktionsserie festzulegen. Unser Land spielt dabei eine besondere Rolle. Seit 2018 gelten in Norwegen Vorschriften zur Einheitsverpackung – keine sichtbaren Markenzeichen, keine Farben außer einem militärähnlichen Farbton und strenge Vorgaben zur Schriftgröße. Ab nächstem Jahr werden Geschmacksnamen auf den Dosen gänzlich verboten sein, was genau der Grund dafür ist, dass so viele norwegische Snus-Dosen mit Nummern statt Namen beschriftet sind. Das ist zwar eine echte regulatorische Einschränkung, aber es ist mittlerweile einfach Teil der Funktionsweise dieser Produktkategorie hier geworden – und es ist einer der Gründe, warum sich ein Nummernsystem ganz natürlich in dieses Umfeld einfügt.

Stichwort Markenzeichen: Nor hat sich von Verpackungs- und Namenskonventionen verabschiedet, bei denen markante norwegische Landschafts- und Bergmotive im Vordergrund standen. Was steckt hinter diesem Schritt?

Monge & Volle: Wir haben in Norwegen ein starkes Identitätsgefühl bewahrt. Genau aus diesem Grund haben wir unsere Produkte ursprünglich nach Bergen wie dem Galdhøpiggen, dem höchsten Berg Norwegens, benannt. Die Idee dahinter war, norwegische Werte und Kultur in das Branding einfließen zu lassen. Das Problem war jedoch, dass dies international nicht ankam. Wir erhielten Rückmeldungen von Kunden aus dem Ausland, die angaben, dass niemand wisse, was diese Berge seien und wofür sie stünden. Die Namen hatten also außerhalb Norwegens keine Bedeutung. Deshalb haben wir damit begonnen, unsere Produkte nach ihren Geschmacksrichtungen zu benennen – das ist einfach überall leichter zu verstehen. Allerdings haben wir die norwegische Identität nicht ganz aufgegeben: Auf dem der Snus-Dose ist nach wie vor die norwegische Flagge zu sehen.

Vom Branding zur Produktion: Könnten Sie uns kurz erläutern, was zwischen der Anlieferung der Rohstoffe und dem Verpacken der fertigen Beutel alles passiert?

Monge: Wir kontrollieren den gesamten Produktionsprozess selbst, Schritt für Schritt. Es beginnt mit den Rohstoffen, Aromen und Zutaten: Wir verwenden natürliche Aromen, während viele Hersteller auf künstliche Aromen zurückgreifen, da diese günstiger sind. Am Ende schmecken sie jedoch künstlich. Die Rohstoffe und Aromen werden miteinander vermischt. In dieser Phase überprüfen wir kontinuierlich den pH-Wert. Erst wenn dieser stimmt, beginnen wir mit dem eigentlichen Mischvorgang. Anschließend gelangt die Mischung zu den Produktionsmaschinen. Trotz der hohen Geschwindigkeit verlässt nichts das Werk ungeprüft. Alle zehn bis fünfzehn Minuten entnimmt eine Person, die direkt an der Maschine steht, einen Beutel und prüft ihn von Hand: Sie wiegt ihn und testet, ob er die richtige Stärke aufweist. Sobald die Beutel fertig sind, überwacht eine weitere Person die Produktionslinie auf Brandspuren oder dunkle Flecken. Diese entstehen normalerweise, wenn eine Maschine zu schnell läuft – ein Problem, das wir bei anderen Herstellern beobachtet haben. Anschließend werden die Beutel erneut gewogen, bevor sie die Etikettiermaschine durchlaufen.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei der Produktentwicklung und Verpackung von Nor? War das bei der Entwicklung der NAKD Pods ein zentraler Gedanke?

Monge & Volle: Ja, bei unseren „NAKD Pods" greifen Innovation und Nachhaltigkeit ineinander. Es handelt sich dabei um beutellose „Pods" aus nachhaltigen, biologisch abbaubaren Inhaltsstoffen. Was es umweltfreundlicher macht als einen herkömmlichen Nikotinbeutel, ist ganz einfach: 

Es gibt überhaupt keinen Außenbeutel. Die meisten Nikotinbeutel bestehen aus Fasern aus Zellulosebasis und sind mit einem synthetischen Bindemittel versiegelt, dass sich nicht abbaut.

Bei den „NAKD Pods" haben wir dieses Problem gelöst, indem wir auf das synthetische Bindemittel vollständig verzichtet haben. Stattdessen wird der Rezeptur Agar zugesetzt, ein natürliches, veganes Bindemittel, welches das klassische Vlies-Säckchen komplett ersetzt. Es kommt kein Kunststoff zum Einsatz, um den Inhalt zusammenzuhalten. Wenn ein Pod auf den Boden fällt, zersetzt er sich – anstatt einfach dort liegen zu bleiben. Darüber hinaus enthalten NAKD Pods im Wesentlichen nur Nikotin. Abgesehen von NAKD Pods als umweltfreundlichere Alternative arbeiten wir außerdem kontinuierlich daran, die Menge an Kunststoff in unseren Dosen zu reduzieren.

„NAKD Pods" haben keine äußere Hülle. Ihrer Rezeptur wird Agar, ein natürliches und veganes Bindemittel, zugesetzt, wodurch dieses überflüssig wird. Die Pods werden ähnlich wie herkömmliche Nikotinbeutel mit der flachen Seite nach oben unter die Oberlippe platziert – sie schmelzen nicht. 

Was können wir in Zukunft von Nor erwarten? Wird es neue Geschmacksrichtungen, Formate oder Märkte geben?

Monge & Volle: Mit Blick auf die Zukunft ist die Expansion in Exportmärkte ein wichtiger Schwerpunkt für uns, und „NAKD" wird bei dieser Expansion eine bedeutende Rolle spielen. Darüber hinaus haben wir ein brandneues Produkt in der Entwicklung: „BAKD Snus", einen losen weißen Snus, den wir hoffentlich bald in Schweden auf den Markt bringen können. Er ist patentiert, und soweit wir wissen, hat noch kein anderes Unternehmen etwas Ähnliches entwickelt. Wir entwickeln außerdem kontinuierlich neue Geschmacksrichtungen, um der Marktnachfrage gerecht zu werden, und können dabei schnell reagieren – oft greifen wir Trends aus anderen Lebensmittelkategorien auf, anstatt uns ausschließlich auf Snus zu beschränken. Unser Mango-Aroma ist ein gutes Beispiel für diesen Absatz: Es spiegelt die Mangogeschmackstrends wider, die man etwa bei Eiscreme beobachten kann. Derzeit erlebt Mango-Chili in Norwegen einen regelrechten Boom – eine Kombination aus süßer tropischer Frucht und einer würzigen Note. Allerdings vermeiden wir bewusst Aromen im Stil von Süßigkeiten wie zum Beispiel Bonbons, da wir nicht riskieren wollen, Kinder oder Minderjährige anzusprechen.

Was die Märkte betrifft: Wir möchten sowohl „NAKD" als auch „BAKD" in Deutschland deutlich ausbauen. „BAKD" ist die komplexere der beiden Marken, und „NAKD" ist zwar bereits patentiert, aber für den deutschen Markt noch nicht zugelassen.

„BAKD" Snus von Nor – loser weißer Snus zum Selbportionieren (angelehnt an schwedische Traditionsprodukte wie den bekannten Makala Kautabak). Hier in der Sorte „Salted Licorice” mit 8 mg/g. Ein patentiertes Produkt, das laut Hersteller seinesgleichen sucht und das bald auch auf Exportmärkten erhältlich sein soll.

Fazit: Nor zwischen Innovation und Regulierung

Nor ist eine Marke, die aus echtem Branchenwissen entstanden ist – gegründet von Menschen, die die Snus-Industrie von innen kennen. Wie dieses Gespräch deutlich macht: Innovation, Nachhaltigkeit und der Umgang mit regulatorischem Druck sind für Nor keine Randthemen, sondern prägen den Kern der Marke. Besonders anschaulich wird dies durch die seit 2018 existierenden norwegischen Einheitsverpackungsvorschriften: Wer am norwegischen Markt bestehen will, muss mit weniger arbeiten und trotzdem erkennbar bleiben.

Als nächster Wachstumsmarkt steht bei Nor Deutschland im Fokus, wobei die regulatorische Entwicklung auf EU-Ebene den Takt vorgibt. Eine überarbeitete Tabakproduktrichtlinie, die erstmals auch Nikotinbeutel einheitlich erfassen soll, wird frühestens zwischen 2027 und 2028 erwartet. Wie der Markt dann aussieht und welche Rolle kompostierbare Formate wie die „NAKD Pods" darin spielen werden, bleibt abzuwarten.

Anm. d. Red.: Auf der InterTabac 2026 haben wir zwei für die Regulierung relevante Sessions zu TPD2 und TPD3 verfolgt. Am 2. April 2026 veröffentlichte die EU-Kommission ihre Evaluierung der TPD2. Sie sieht die größte Lücke im aktuellen Rechtsrahmen bei Aromen, Einweg-E-Zigaretten und Nikotinbeuteln, für die es bislang keine einheitlichen EU-Regeln gibt. Die TPD3 soll die bisherige Lücke bei tabakfreien Nikotinbeuteln schließen. Mit TED2 soll Rohtabak EU-weit neu definiert und ein Mindestsatz von 0 Euro pro Kilogramm eingeführt werden. Einen ausführlichen Überblick über die Erkenntnisse gibt es hier. 

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