Rechtliches und Diskussion

TED und TPD: Was die InterTabac 2026 über die Zukunft von Tabak und Nikotinbeuteln verrät

Auf der InterTabac 2026 ging es um die geplante Überarbeitung der EU-Tabaksteuerrichtlinie TED2 und der Tabakproduktrichtlinie TPD3. Kommt eine EU-weite Steuer auf Nikotinbeutel? Könnten tabakfreie Nikotinbeutel künftig verboten oder stärker reguliert werden? Und welche Auswirkungen haben die geplanten Änderungen auf Käufer? Erfahre hier, was auf der InterTabac über die Zukunft von Tabak und Nikotinbeuteln verraten wurde.

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Snuzone Redaktion
TED und TPD: Was die InterTabac 2026 über die Zukunft von Tabak und Nikotinbeuteln verrät

Die kurze Antwort

Was bedeuten TED2 und TPD3 für Tabak und Nikotinbeutel in der EU – und was zeigte die InterTabac 2026 dazu?

• TED2 soll Rohtabak EU-weit einheitlich definieren und einen Mindestsatz von 0 Euro je Kilogramm einführen – Länder dürfen aber höher besteuern, und ein Inkrafttreten zum 1. Januar 2028 gilt nur bei rechtzeitiger Einigung im Rat.
• Zwei EU-Gerichtsurteile von 2026 klärten, dass weder die Zolleinordnung noch die Verbraucherwahrnehmung entscheidet, ob Tabak als rauchbar gilt – auch heimisches Aufbereiten kann genügen.
• Die TPD3 soll die bisherige Lücke bei tabakfreien Nikotinbeuteln schließen, die derzeit von jedem EU-Land einzeln reguliert werden – ein Gesetzestext wird frühestens Ende 2026 oder 2027 erwartet.
• Frankreich verbot Nikotinbeutel weitgehend ab April 2026 – laut Panelisten entstand daraufhin rasch ein Schwarzmarkt mit illegalem Straßenverkauf und gefälschten Produkten.
• Belgien und die Niederlande zeigen: Präsentationsverbote für Tabak verlagern die Nachfrage, lassen sie aber nicht verschwinden – die Kosten bleiben beim Handel.
• Ob Nikotinbeutel schädlicher oder nützlicher als Zigaretten sind, bleibt umstritten – belastbare Langzeitdaten fehlen, das Suchtpotenzial von Nikotin bleibt in jedem Fall bestehen.

Wird Rohtabak künftig von der Steuer befreit? Was hat das mit einem Gerichtsstreit um litauischen Tabak zu tun? Verschwinden Nikotinbeutel vom Markt, wenn sie wie in Frankreich verboten sind? Und wer entscheidet eigentlich, die EU oder jedes Land für sich? Um diese und weitere Fragen ging es auf der InterTabac 2026, die vom 15. bis 17. September in der Messe Dortmund stattfand. Genauer gesagt in den Vorträgen „Expected Developments Regarding TED2 on Raw Tobacco“ von Krzysztof Rutkowski, Rechtsanwalt und Steuerberater sowie Partner einer Warschauer Kanzlei für Zoll- und Steuerrecht, und „TPD: What Are the Direct Consequences for Tobacco Retailers?", ein Panel mit Vertretern aus Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Italien. Ursprünglich hatte Rutkowski seinen Vortrag noch breiter als „Expected Developments Regarding the Two EU Directives Currently Under Discussion: TED and TPD“ angekündigt. Doch bis zum Zeitpunkt der Messe hatte die EU-Kommission noch keinen offiziellen Entwurf zur Revision der TPD veröffentlicht.

Bevor es in die Details geht, sollen die beiden zentralen Begriffe, TED und TPD, geklärt werden. Die Abkürzung TED steht für Tobacco Excise Directive (auf Deutsch etwa Tabaksteuerrichtlinie) und bestimmt, wie hoch Tabaksteuern in der EU mindestens sein müssen und wie sie berechnet werden. TPD ist kurz für Tobacco Products Directive (also Tabakproduktrichtlinie) und legt fest, wie Tabakprodukte aussehen, verpackt, beworben und verkauft werden dürfen. Hier geht es um Warnhinweise, Aromenverbote sowie Verkaufsbeschränkungen. Beide Richtlinien werden derzeit überarbeitet. Die TED2 ist die geplante Neufassung der Tabaksteuerrichtlinie, die TPD3 die Überarbeitung der bisherigen TPD (TPD2).

Was haben Tabaksteuer und Tabakproduktrichtlinien mit Nikotinbeuteln zu tun, die gar keinen Tabak enthalten? TED2 soll künftig erstmals eine EU-weite Mindeststeuer auf Nikotinbeutel einführen, bisher gibt es dafür keine gemeinsame Regel. Auch die TPD erfasst bisher nur Produkte mit Tabak und E-Zigaretten. Snus, also tabakhaltige Nikotinbeutel, ist dadurch EU-weit verboten, mit Ausnahme von Schweden. Tabakfreie Nikotinbeutel fallen nicht unter die Richtlinie und jedes Land entscheidet selbst, ob es sie erlaubt oder verbietet. Genau diese Lücke soll die Überarbeitung der TPD schließen.

TED2: Wie die EU die Tabaksteuer neu regeln will

Im Vortrag von Rutkowski ging es vor allem um die TED2, also die Reform der Tabaksteuerrichtlinie, mit Fokus auf Rohtabak. Rohtabak ist Tabak, der zwar bereits geerntet und getrocknet, aber noch nicht zu Zigaretten, Feinschnitt (Tabak zum Selbstdrehen) oder Shisha-Tabak verarbeitet wurde. Ob und wie dieser besteuert wird, hängt davon ab, wann Tabak noch als roh und wann schon als rauchfertig gilt.

Tabaksteuer, Zigarettenstapel mit Münzen und tax-Schild im Vordergrund

Die Tabaksteuerrichtlinie der EU soll überarbeitet werden.

Der Rohtabak-Streit: Wann ist Tabak "roh", wann "rauchbar"?

In der aktuellen TED-Richtlinie von 2011 kommt Rohtabak als eigene Kategorie nicht vor. Jedes EU-Land entscheidet deshalb selbst, ob und wie es ihn besteuert. Aktuell besteuern 13 Länder Rohtabak, 14 besteuern ihn nicht, so Rutkowski. Bei vielen Waren richtet sich die Steuer automatisch nach der Zolleinordnung, also der Zuordnung einer Ware zu einer Warennummer im Zolltarif. Bei Tabak ist das laut Rutkowski anders. Zoll und Steuerbehörde können dieselbe Ware unterschiedlich einordnen und kommen so zu verschiedenen Ergebnissen.

Wie wird dann entschieden, ob Tabak noch als roh oder schon als Rauchtabak gilt? Das entscheidet ein Rauchtest im Labor. Rutkowski berichtete von einem Fall in Litauen. Dort testete ein Experte des Zolllabors den Tabak, indem er eine Probe von Hand zurechtschnitt, in eine Zigarettenhülse füllte und sie rauchte. Weil das mit einfachen Handgriffen gelang, wurde der Tabak als rauchbar eingestuft.

Das klingt zwar nur nach einer Kleinigkeit, an dieser Einstufung hängt aber, ob die verbindliche EU-Mindeststeuer für verarbeiteten Tabak greift oder der nationale Flickenteppich für Rohtabak. Genau um diese Unklarheit ging es in zwei Gerichtsverfahren, die 2026 entschieden wurden.

Die unsichtbare Grenze: Wie Gerichte über Rohtabak entscheiden

Weil die Linie zwischen „Rohtabak" und „Rauchtabak" in der Praxis so unscharf ist, landen solche Fälle immer wieder vor Gericht. In Litauen bekam das ein Unternehmen namens „Tabako lapai UAB" zu spüren. Der Fall1 ging als Strafverfahren vor Gericht. Das Unternehmen importierte Tabak und verarbeitete ihn teilweise, geschnitten wurde er aber nicht. Strittig war, ob es sich dabei noch um unverarbeiteten Rohtabak handelt, der nicht der Verbrauchsteuer unterliegt. Dazu machte der Zoll den Rauchtest, der im vorherigen Abschnitt beschrieben wurde, und kam zu dem Ergebnis, dass sich der Tabak rauchen lässt. Weil es um die Auslegung von EU-Recht ging, legte das litauische Gericht den Fall dem Gericht der Europäischen Union vor. Muss sich die Einstufung als Rauchtabak nach der Zolleinordnung richten? Das Gericht der EU entschied am 15. April 2026, dass das nicht nötig ist. Für die Steuerpflicht zählt allein die Definition der Steuerrichtlinie.

Ein zweiter Fall2 kommt aus Deutschland. Rutkowski berichtete, dass der Zoll 2017 mehr als eine Tonne Tabak beschlagnahmte, der zu Wasserpfeifentabak verarbeitet werden sollte, und Steuerhinterziehung vermutete. Der Transporteur gab an, es handle sich nicht um Rauchtabak, sondern um Rohtabak. Zwei darauffolgende Untersuchungen kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Das Bildungs- und Wissenschaftszentrum der Bundesfinanzverwaltung kam zu dem Schluss, dass sich der Tabak zum Rauchen eignet, weil er sich mit wenigen Handgriffen aufbereiten lässt, auch zu Hause nach Anleitungen aus dem Internet. Ein vom Finanzgericht bestellter Sachverständiger sah darin dagegen noch Rohtabak, der sich ohne industrielle Behandlung nicht rauchen lässt. Gilt Tabak nur dann als rauchbar, wenn die Öffentlichkeit ihn als Rauchtabak ansieht? Und zählt es noch als „ohne industrielle Verarbeitung", wenn ein Konsument die restliche Verarbeitung selbst zu Hause erledigen kann? Das Gericht der Europäischen Union antwortete im Urteil vom 29. April 2026, dass es keine Rolle spiele, wie die Allgemeinheit den Tabak einschätzt.

„the expression 'capable of being smoked' does not lay down a criterion relating to the perception of consumers" – aus, „DeepDive – Expected Developments Regarding TED2 on Raw Tobacco" von Krzysztof Rutkowski, InterTabac 2026

Auch mehrere Schritte, die ein Konsument zu Hause erledigen kann, zählen noch als „ohne industrielle Verarbeitung". Das begründete das Gericht damit, dass Schritte wie das Aufkochen von Wasser, Glycerin und Zucker keinem standardisierten Verfahren folgen und Anleitungen dazu frei im Internet verfügbar sind.

Was folgt aus diesen beiden Urteilen? Weder die Zolleinordnung noch die Sicht der Verbraucher zählt, und selbst Tabak, den man erst zu Hause aufbereiten muss, kann als rauchbar gelten. Wann gilt Tabak dann überhaupt noch als roh? Wie das nationale Tabakrecht aufgestellt ist, zeigen die Rechtslage von Snus in Deutschland und die Tabakgesetz-Novelle in Österreich.

Was TED2 ändern soll

Was soll sich mit TED2 konkret ändern? Zwei wesentliche Änderungen wurden im Vortrag angesprochen. Rohtabak soll EU-weit neu und eindeutiger definiert werden. Außerdem soll dafür ein Mindestsatz von 0 Euro pro Kilogramm gelten3. Das heißt nicht, dass Rohtabak künftig steuerfrei wäre. Länder dürfen ihn weiterhin höher besteuern, müssen die gezahlte Steuer aber zurückerstatten, sobald daraus bereits versteuertes Fertigprodukt entsteht3. Unabhängig davon sollen weiterhin die Kontrollpflichten gelten. Sie laufen über das EMCS (Excise Movement and Control System), das elektronische System, mit dem die EU Transporte verbrauchsteuerpflichtiger Waren zwischen den Mitgliedstaaten überwacht. Dazu gehören auch Nachweise über Warenverluste und Sanktionen bei Verstößen. Der bürokratische Aufwand bleibt also in jedem Fall hoch. Hier äußerte Rutkowski die Kritik, die Definition sei weiterhin zu weit gefasst, der Verwaltungsaufwand für kleine Erstverarbeiter sei unverhältnismäßig hoch. Besonders deutlich wird das bei Gewichtsverlusten durch Feuchtigkeit. Rohtabak enthält Wasser, sein Gewicht kann sich deshalb zwischen Versand und Ankunft verändern. Nach dem Vorschlag muss jeder Verlust über einer erlaubten Schwelle untersucht werden, und die Behörden dürfen Strafen verhängen. Rutkowski kritisierte, dass unklar sei, wie solche Verluste berechnet und überprüft werden sollen und wie mit fehlenden Mengen umzugehen ist. Seine Einschätzung dazu: „practically impossible".

Warum TED2 weiterhin auf sich warten lässt

Warum hat sich bisher noch nicht viel getan mit diesem Vorschlag? Bei Steuerfragen gilt in der EU ein besonderes Gesetzgebungsverfahren. Der Rat, also die Vertreter aller Mitgliedsstaaten, muss einstimmig entscheiden. Das Europaparlament wird nur angehört, seine Meinung ist rechtlich nicht bindend4. Weil Einstimmigkeit nötig ist, reicht der Widerspruch eines einzelnen Landes, um eine Einigung zu verzögern. Schweden lehnte die geplanten Mindeststeuersätze für Nikotinbeutel ab, und ein Kompromissvorschlag fand bei einem Treffen der EU-Botschafter am 3. Juni 2026 nicht die nötige Unterstützung5. Finanzministerin Elisabeth Svantesson erklärte zur geplanten Steuererhöhung auf Snus in einem Post auf X: „Now we are stopping the EU from raising the tax on snus. […] Other countries do not get to decide over our snus"5. Aus Sicht eines deutschen Suchtforschers sollte Schwedens Weg Schule machen: Er fordert eine EU-weite Legalisierung von schwedischem Oraltabak. Auch andere Mitgliedstaaten hatten bereits eigene Vorbehalte geäußert, etwa zur Höhe der allgemeinen Steuererhöhung6. Unabhängig davon lehnte auch das Europaparlament am 17. Juni 2026 in Straßburg den Kommissionsvorschlag ab7. Weil das Parlament nur eine beratende Rolle hat, ändert diese Ablehnung am eigentlichen Verfahren nichts, wie Rutkowski in seinem Vortrag betonte. Das von der Kommission vorgeschlagene Datum, ab dem TED2 gelten soll, ist der 1. Januar 2028.8 Realistisch ist dieser Termin aber nur, wenn sich der Rat bald einigt. 

TPD – Wo die EU-Regel endet, fängt der nationale Alleingang an

Im Panel „TPD: What Are The Direct Consequences for Tobacco Retailers?" ging es nicht um einen laufenden Gesetzgebungsprozess wie bei TED2. Stattdessen berichteten Vertreter aus Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Italien, was in ihren Ländern schon heute gilt. Teils basiert das auf der bestehenden TPD von 2014, teils auf nationalen Alleingängen. Dabei zeigte sich ein wiederkehrendes Muster. Verbote und Einschränkungen ließen die Nachfrage nach Nikotinprodukten nicht verschwinden, sie würden sie nur verlagern.

Produktrichtlinie, Paragraf-Symbol auf Landkarte

Mit der TPD3 sollen die Regeln für Tabak- und Nikotinprodukte in der EU stärker vereinheitlicht werden.

Frankreich: Wenn ein Verbot den Schwarzmarkt ankurbelt

Alexandre T. Analis, Fachjournalist für den französischen Tabakhandel, berichtete über die aktuelle Lage in Frankreich. Die französische Regierung hat Nikotinbeutel dort weitgehend verboten. Das Dekret wurde am 5. September 2025 erlassen17. Die meisten Regeln gelten seit dem 1. April 2026. Seitdem sind in Frankreich Import, Angebot, Transfer, Erwerb, Besitz und Nutzung von Nikotinbeuteln verboten. Auch weitere nikotinhaltige, tabakfreie Produkte wie Nikotinperlen, Kaugummis oder Liquids fallen darunter. Ausgenommen bleiben Kautabak sowie Arzneimittel und Medizinprodukte zur Rauchentwöhnung9. Der Verkauf war nach Einschätzung des Conseil d'État, dem höchsten französischen Verwaltungsgericht, schon vorher durch andere Vorschriften des Gesundheitsgesetzbuchs untersagt10.

Doch ein Unternehmen klagte gegen das Verbot vor dem Conseil d'État. Das Gericht gab dem Unternehmen teilweise recht und setzte den Teil der Regelung aus, der Herstellung, Produktion und Export betraf. Die Frist habe Unternehmen zu wenig Zeit zur Umstellung gelassen10. An den übrigen Verboten änderte das nichts, sie traten wie geplant am 1. April 2026 in Kraft9. Gegen das Verbot klagten außerdem mehrere Tabakkonzerne und der Verband der französischen Tabakhändler. Am 13. Juli 2026 wies der Conseil d'État die meisten Einwände gegen das Verbot zurück. Dass Nikotinbeutel nicht angeboten, weitergegeben, gekauft oder genutzt werden dürfen, hält er für angemessen und mit EU-Recht vereinbar17. Offen ist noch die Frage, ob Frankreich auch Herstellung, Transport, Einfuhr, Ausfuhr und Besitz verbieten darf, wenn die Ware ausschließlich für den Verkauf in einem anderen EU-Land bestimmt ist. Das soll der Europäische Gerichtshof (EuGH) klären. Bis dahin ruht das Verfahren17.

Doch was passiert eigentlich mit der Nachfrage, wenn ein Produkt verboten wird? Verschwindet sie einfach? Laut den Vortragenden des Panels nicht. Kurz nach dem Verbot seien im Internet zahlreiche Webseiten aufgetaucht, die gefälschte, billige Nikotinbeutel anbieten. Es sei ein Schwarzmarkt mit Straßenverkauf und illegalen Webshops entstanden. Beim Panel brachte es Analis so auf den Punkt: „If you ban a product, it goes in the illicit market." Ein Verbot stoppe die Nachfrage also nicht, vor allem, wenn viele Touristen aus Ländern kämen, in denen die Produkte erlaubt sind. Zum schlechten Ruf der Nikotinbeutel in Frankreich äußerten sich die Panelisten ebenfalls. Nikotinbeutel seien ein neues Produkt, dem ein möglicherweise geringeres Risiko als Zigaretten nachgesagt werde. Weil diese Aussage vor allem von der Industrie komme, werde sie oft nicht ernst genommen. Das erschwere es in Frankreich, überhaupt öffentlich über mögliche Unterschiede im Risiko zwischen den Produkten zu diskutieren.

Belgien und Niederlande: zwei Versionen desselben Verbots

In Belgien dürfen Tabak- und Vapingprodukte seit dem 1. April 2025 in Geschäften nicht mehr sichtbar ausgestellt werden. Zusätzlich dürfen Lebensmittelgeschäfte über 400 Quadratmeter seither gar keinen Tabak mehr verkaufen11. Bereits zuvor wurde eine einheitliche Verpackung ohne Markenlogos eingeführt, erst dann das Präsentationsverbot. Im Panel wurde berichtet, viele Kunden hätten davon zunächst gar nichts mitbekommen und gefragt, ob der Laden überhaupt noch Tabak verkaufe, weil sie die Verkaufsstellen nicht mehr erkannten. Kleinere Marken seien aus den Regalen verschwunden, weil Kunden nicht mehr sehen konnten, was zur Auswahl steht. Die Umbaukosten für Geschäfte seien erheblich. Im November 2025 erklärte Belgiens Verfassungsgerichtshof das Verkaufsverbot für große Supermärkte nach Klagen unter anderem von Buurtsuper, einem Interessenverband von Supermärkten, und von dem Tabakhersteller Philip Morris Benelux für diskriminierend. Ab dem 1. Januar 2027 dürfen Supermärkte über 400 Quadratmeter deshalb wieder Tabak verkaufen, sichtbar ausgestellt werden darf er aber weiterhin nicht12.

In den Niederlanden gilt das Präsentationsverbot schon seit Juli 2020. Im Panel hieß es, der Effekt auf den Markt sei kaum spürbar gewesen, Kunden kauften weiterhin an denselben Stellen, nur die Kosten seien beim Handel hängengeblieben. Weil Kunden die Produkte nicht mehr sehen, müsse das Verkaufspersonal aktiver beraten und mehr über die Produkte wissen. Das Verbot selbst habe die Nachfrage nicht verschwinden lassen, nur die Art des Verkaufs verändert. Viele Händler mussten ihr gesamtes Ladenkonzept überdenken.

Der Verkauf von Nikotinbeuteln ist in Belgien bereits seit 2023 und in den Niederlanden seit Januar 2025 komplett verboten, unabhängig vom hier beschriebenen Präsentationsverbot für Tabak und Vaping.

Trotz unterschiedlich langer Erfahrung mit dem Verbot sahen Maxime Stelleman, der Belgien im Panel vertrat und Vizepräsident des belgischen Händlerverbands Prodipresse ist, und Sabas Gras vom niederländischen Händlerverband CTS (Collectief Tabak Speciaalzaken), eine Gemeinsamkeit. Die Kosten bleiben am Handel hängen, nicht am Staat oder an den Kunden.

Italien: Wie ein Land gegen Zigarettenschmuggel vorgeht

Die italienische Schwarzmarkt-Initiative „Monitoraggio Agromafie Contrasto Illecito Settori Tabacchi ed E-Cig", kurz M.A.C.I.S.T.E., ist laut Stefano Liberti, dem Vertreter aus Italien, ein Arbeitskreis rund um die italienische Finanzpolizei Guardia di Finanza, der Experten unterschiedlicher Fachrichtungen zusammenbringt. Ziel ist es, den illegalen Tabakhandel besser zu verstehen und ihm entgegenzuwirken. Dahinter steht eine italienische Stiftung gemeinsam mit dem Landwirtschaftsverband, das Projekt läuft außerdem in Zusammenarbeit mit Philip Morris Italia13. Illegaler Tabakhandel sei kein rein italienisches, sondern ein europaweites Problem, das sich in jedem Land anders zeigt. Laut einer KPMG-Studie im Auftrag von Philip Morris Products SA wurden 2025 in 38 europäischen Ländern rund 55,3 Milliarden illegale Zigaretten konsumiert. Die Studie schätzt den Steuerausfall auf rund 22,4 Milliarden Euro13, 18. Eine Studie von M.A.C.I.S.T.E-Forscher Stefano Liberti zeigte zudem, dass sich die Kriminalität zunehmend verändert. Statt nur klassischer Zigaretten geht es immer öfter auch um E-Zigaretten, die über heimliche Fabriken und Online-Handel statt auf der Straße verkauft werden13. Italien sei dabei ein Sonderfall, weil der Zigarettenkonsum im Land vergleichsweise niedrig sei. Die Finanzpolizei habe dennoch bereits über 20 illegale Lagerhallen mit Zigaretten entdeckt. Ziel vieler dieser Betriebe sei gar nicht der italienische Markt selbst, sondern die Produktion für lukrative Absatzmärkte im Ausland. Genau das zeigt laut Liberti, wie wichtig es sei, das Problem nicht nur national, sondern auch international zu sehen.

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TPD3: Der aktuelle Stand

So unterschiedlich wie in diesen vier Ländern sieht es in der ganzen EU aus. Dass sich daran etwas ändern soll, sieht auch die EU-Kommission so. Allerdings ist das keine neue Entscheidung. Eine öffentliche Konsultation dazu lief bereits 2022, seitdem verzögerte sich der Prozess aber wiederholt. Am 2. April 2026 veröffentlichte die EU-Kommission ihre Evaluierung der TPD2. Darin prüft sie, wie wirksam die Richtlinie ist16. Die größte Lücke im aktuellen Rechtsrahmen sieht die Kommission bei Aromen, Einweg-E-Zigaretten und Nikotinbeuteln, für alle drei gibt es bislang keine einheitlichen EU-Regeln15. Gerade bei Nikotinbeuteln zeigt sich das Problem deutlich. In einem EU-Land sind sie frei erhältlich, im nächsten verboten. Gesundheitskommissar Olivér Várhelyi äußerte sich folgendermaßen zur Evaluierung: „Wenn die Rechtsetzung nicht Schritt hält, besteht die Gefahr, dass in Europa an die Stelle sinkender Raucherraten eine neue Nikotinabhängigkeitsepidemie tritt und traditioneller Tabakkonsum weiterhin Schäden verursacht, auch bei Menschen ab 55 Jahren."16 Sein Ziel ist eine „rauchfreie Generation bis 2040". Die Kommission kündigte an, den Rechtsrahmen noch 2026 zu überarbeiten16. Am 18. Mai 2026 startete sie einen „Call for Evidence", also einen Aufruf an Bürger, Unternehmen und Verbände, erste Rückmeldungen zum geplanten Vorhaben einzureichen, bevor ein konkreter Gesetzestext entsteht15. Der Vorschlag zu TPD3 wird frühestens Ende 2026 oder 2027 erwartet. Die tatsächliche Umsetzung in den Mitgliedstaaten dauert danach erfahrungsgemäß noch Jahre14. Das erklärt auch, warum Rutkowski seinen InterTabac-Vortrag von TED und TPD zu TED2 allein umändern musste. Im September 2026, zum Zeitpunkt der Messe, lag noch kein tatsächlicher Gesetzestext vor, über den man hätte sprechen können.

Inhaltlich soll sich die TPD künftig nicht mehr nur auf Tabak und E-Zigaretten beziehen, sondern auf Nikotinprodukte allgemein15. Der Verband des E-Zigarettenhandels (VdeH) kritisierte den Evaluierungsbericht: „Der Bericht weist grundlegende Mängel auf und wird den Anforderungen an eine evidenzbasierte, ausgewogene Bewertung nicht gerecht."14 Die Kommission begründet ihre strengen Pläne mit der Sorge vor einem sogenannten Gateway-Effekt, also dass neue Nikotinprodukte junge Menschen zum Tabakkonsum verleiten könnten. Verbände der E-Zigaretten-Wirtschaft halten dagegen, dass der Bericht ausblende, dass dieselben Produkte für erwachsene Raucher eine Möglichkeit sind, auf eine weniger schädliche Alternative ohne Tabakrauch und die darin enthaltenen krebserregenden Verbindungen umzusteigen14. Dieser Ansatz heißt Harm Reduction. Gesundheitliche Risiken sollen durch den Wechsel zu weniger schädlichen Alternativen sinken, ohne dass ein vollständiger Verzicht vorausgesetzt wird. Wer hat recht, die Kommission oder die Verbände? Beide argumentieren mit demselben Produkt, aber mit unterschiedlichen Zielgruppen: die Kommission mit Jugendlichen, die Verbände mit erwachsenen Rauchern. Belastbare Langzeitdaten zu Nikotinbeuteln fehlen bislang für beide Argumente. Fest steht, dass der Tabakrauch entfällt, das Suchtpotenzial von Nikotin aber bestehen bleibt.

Fazit – was die Zukunft bringt

Zurück zu den Fragen vom Anfang. Was lässt sich nach der InterTabac darauf antworten? Rohtabak soll nicht steuerfrei werden, sondern einen EU-Mindestsatz von 0 Euro pro Kilogramm erhalten, wobei Länder ihn höher besteuern dürfen. Bei Steuern entscheidet der Rat einstimmig, bei tabakfreien Nikotinbeuteln bislang jedes Land für sich. Diese Lücke soll die TPD3 schließen. Und ob Verbote Nikotinbeutel vom Markt verschwinden lassen? Die Vortragenden sehen eher eine Verlagerung der Nachfrage.

Zum Abschluss seines TED2-Vortrags fasste Rutkowski zusammen, wo er für den geplanten Start im Januar 2028 mögliche Probleme sieht. Dazu zählten Definition und Umfang des Rohtabak-Begriffs, Liquidität und Sicherheitsleistungen, die Berechnung von Verlusten sowie Kosten, Verwaltung und Kontrolle.

Auch beim Panel zu den Folgen von TPD für den Handel sprachen die Teilnehmer über Zukunftsausblicke ihres Landes. Alexandre T. Analis berichtete, die französische Regierung sei nicht gewillt, das Nikotinbeutel-Verbot zurückzunehmen. Mit einem Umschwung rechnet er erst nach den Wahlen. „We are waiting for the elections in France", so Analis. Sabas Gras aus den Niederlanden riet, sich entschlossen gegen die Maßnahmen zu stellen. Aus Belgien empfahl Maxime Stelleman, Kunden frühzeitig auf die Regeln vorzubereiten, statt erst auf deren Inkrafttreten zu warten. Sein wichtigster Rat an die Branche: „My main advice is to mobilize collectively". Aus Italien beschrieb Stefano Liberti die Initiative M.A.C.I.S.T.E. selbst als Antwort auf die Zukunft, mit dem Ziel, den Ansatz international zu denken und zu wachsen, um die grenzüberschreitende Dimension des Schwarzmarkts besser zu verstehen.

Quellen

  1. EUR-Lex: „Request for a preliminary ruling from the Lietuvos Aukščiausiasis Teismas (Lithuania) lodged on 27 February 2025 – Criminal proceedings against A.K. and Tabako lapai UAB“(Zuletzt aufgerufen am 06.10.2026)
  2. EUR-Lex: „Request for a preliminary ruling from the Bundesfinanzhof (Germany) lodged on 5 March 2025 –Hauptzollamt A v Scrap-Transporteur“(Zuletzt aufgerufen am 06.10.2026)
  3. EUR-Lex: „Proposal for a COUNCIL DIRECTIVE on the structure and rates of excise duty applied to manufactured tobacco and tobacco related products (recast)“(Zuletzt aufgerufen am 06.10.2026)
  4. EUR-Lex: „Special legislative procedure“(Zuletzt aufgerufen am 06.10.2026)
  5. Smokefree Sweden: „Sweden blocks EU tobacco tax directive to protect its smoke-free success“(Zuletzt aufgerufen am 06.10.2026)
  6. Council of the European Union: „ECOFIN Report on Tax Issues“(Zuletzt aufgerufen am 06.10.2026)
  7. Legislative Observatory: „Structure and rates of excise duty applied to tobacco and tobacco related products (recast)“(Zuletzt aufgerufen am 06.10.2026)
  8. European Commission: „Proposal for a Council Directive amending Directive (EU) 2020/262 as regards the general arrangements for excise duty in respect of tobacco and tobacco related products“(Zuletzt aufgerufen am 06.10.2026)
  9. Service Public: „Several nicotine products soon banned in France“(Zuletzt aufgerufen am 06.10.2026)
  10. Le club des juristes: „Le Conseil d’État suspend le décret d’interdiction des sachets de nicotine“(Zuletzt aufgerufen am 06.10.2026)
  11. Tobacco reporter: „Belgium Tobacco Display Ban Goes into Effect“(Zuletzt aufgerufen am 06.10.2026)
  12. Retail Detail: „Belgian Supermarkets will be able to sell cigarettes again next year.(Zuletzt aufgerufen am 06.10.2026)
  13. Il Mattino: „M.A.C.I.S.T.E: Combating Illegal Tobacco and E-Cigarette Trade“(Zuletzt aufgerufen am 06.10.2026)
  14. juravendis: „TPD2-Evaluierung und der Weg zur TPD3: Was auf die Tabak- und Nikotinbranche zukommt“(Zuletzt aufgerufen am 06.10.2026)
  15. The Continuum of Risk: „Call for Data Launched to Revise EU Tobacco Products Directive“(Zuletzt aufgerufen am 06.10.2026)
  16. Pressemitteilung Europäische Kommission: „EU-Rahmen zur Eindämmung des Tabakkonsums: Bewertung der Kommission offenbart Fortschritte und neue Herausforderungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit“(Zuletzt aufgerufen am 06.10.2026)
  17. Legifrance.gouv.fr: „Conseil d'État, 1ère - 4ème chambres réunies, 13/07/2026, 509446“(Zuletzt aufgerufen am 06.10.2026)
  18. KPMG: „Illicit cigarette and heated tobacco consumption, and oral nicotine share in Europe“(Zuletzt aufgerufen am 06.10.2026)

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