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Nikotin: Was es ist, woher es kommt und wie es wirkt

Zigarette, Pflaster, Kaugummi oder Nikotinbeutel – die Form ändert sich, der Wirkstoff bleibt derselbe. Was Nikotin im Gehirn auslöst, warum es abhängig macht und was chemisch dahinter steckt, liest Du hier.

21 Min.
Lesezeit
14
Kapitel
Viktoria Lange
Nikotin: Was es ist, woher es kommt und wie es wirkt

Die kurze Antwort

Was ist Nikotin und was macht es im Körper?

• Nikotin ist ein Alkaloid der Tabakpflanze, das dort als natürlicher Schutz gegen Insekten entsteht.
• Im Gehirn dockt es an nikotinische Acetylcholin-Rezeptoren an, setzt Dopamin frei und aktiviert das Belohnungssystem – daraus entsteht das hohe Abhängigkeitspotenzial.
• Körperlich beschleunigt es den Herzschlag, verengt die Blutgefäße, erhöht den Blutdruck und dämpft das Hungergefühl.
• Wie intensiv die Wirkung ausfällt, entscheidet der Aufnahmeweg: über die Lunge erreicht Nikotin das Gehirn in Sekunden, über Mundschleimhaut oder Haut deutlich langsamer und gleichmäßiger.
• Die schwersten Rauchfolgen gehen auf die über 5.300 weiteren Stoffe im Tabakrauch zurück. Harmlos ist Nikotin trotzdem nicht: Es macht abhängig und steht laut DKFZ im Verdacht, Atherosklerose, Typ-2-Diabetes und Krebs zu begünstigen.

Nikotin steckt längst nicht nur in Zigaretten. Du findest es in Nikotinbeuteln, Pflastern und Kaugummis. Selbst in Lebensmitteln wie Auberginen kommt es in winzigen Mengen natürlich vor. Doch kaum eine andere Substanz ist so eng mit einem Begriff verbunden wie Nikotin: Abhängigkeit.

Aber warum eigentlich? Was macht Nikotin im Körper und weshalb kann aus einem zunächst unscheinbaren Stoff ein so starkes Verlangen entstehen?

Die Antwort liegt vor allem in unserem Gehirn. Dort trifft Nikotin auf spezielle Rezeptoren, die ursprünglich für einen körpereigenen Botenstoff vorgesehen sind. Es setzt eine ganze Kettenreaktion biochemischer Prozesse in Gang und aktiviert dabei unter anderem das Belohnungssystem des Gehirns. Dabei wird Dopamin ausgeschüttet, also ein Botenstoff, der mit Motivation, Belohnung und positiven Empfindungen verbunden ist. Genau hier beginnt die Wirkung von Nikotin und auch das Risiko einer Abhängigkeit.

Doch was passiert eigentlich Schritt für Schritt, nachdem Nikotin in den Körper gelangt? Woher stammt die Substanz überhaupt? Wie sieht Nikotin aus chemischer Sicht aus? Welche gesundheitlichen Risiken sind wissenschaftlich belegt? Und worin unterscheiden sich Zigaretten, Nikotinbeutel, Pflaster, Kaugummis und andere Nikotinprodukte?

In diesem Artikel erfährst Du mehr über die Herkunft und chemische Struktur von Nikotin, über seine Wirkung im Körper bis hin zu Abhängigkeit, Risiken und den wichtigsten Unterschieden zwischen den verschiedenen Produkten.

Was ist Nikotin? — Definition und chemische Grundlagen

Um die Substanz als Ganzes zu verstehen, fängt man am besten nicht bei der Zigarette an, sondern bei dem Molekül selbst. Nikotin gehört zur Stoffgruppe der Alkaloide. Dabei handelt es sich um stickstoffhaltige, organische Verbindungen, die natürlicherweise in Pflanzen vorkommen. In der Tabakpflanze Nicotiana tabacum ist Nikotin die wichtigste pharmakologisch wirksame Substanz. 6, 11

Chemisch betrachtet hat Nikotin die Summenformel C₁₀H₁₄N₂. Sein Molekül setzt sich aus zwei miteinander verbundenen Ringsystemen zusammen: einem Pyridinring und einem Pyrrolidinring. 12 Diese charakteristische Struktur ist entscheidend dafür, dass Nikotin an bestimmte Acetylcholin-Rezeptoren im Gehirn andocken kann.

Kurz gesagt: Die Form eines Moleküls bestimmt, an welche Rezeptoren es sich anbinden und damit auch, welche Signale es im Körper auslösen kann.8

Woher kommt Nikotin? — Die Tabakpflanze und ihre Verwandten

Die Antwort auf diese Frage hat zunächst wenig mit uns Menschen zu tun, da Nikotin evolutionär betrachtet im Grunde nie für den menschlichen Konsum bestimmt war. Wie andere Nachtschattengewächse, sogenannte Solanaceae auch, produziert die Tabakpflanze Nikotin ursprünglich als natürlichen Schutzmechanismus gegen Insekten, für die das Alkaloid bereits in sehr kleinen Mengen toxisch ist. Deswegen ist auch gut nachvollziehbar, dass es über Jahrhunderte hinweg als beliebtes Pflanzenschutzmittel galt. 4 Erst mit wachsendem Wissen über die möglichen Risiken für Mensch und Umwelt wurde der Einsatz von Nikotin als Pestizid in der EU untersagt. 4

Botanisch steht die Tabakpflanze mit ihrer Fähigkeit zur Nikotinproduktion dabei aber nicht allein da. In deutlich geringeren Mengen findet sich das Alkaloid nämlich auch in Auberginen, Tomaten und Kartoffeln. 4 Das kann zunächst etwas abschreckend wirken, wie viel aber davon tatsächlich auf Deinem Teller landet, kannst Du im Abschnitt „Nikotin — Wissen & Kurioses" weiter unten erfahren.

Nikotin Wirkung — Was Nikotin im Gehirn und Körper auslöst

Wie genau wird das Belohnungssystem im Gehirn letztendlich angeregt? An dieser Stelle lohnt es sich, das Ganze fachlich konkreter anzuschauen. Nikotin trifft im Gehirn auf sogenannte nikotinische Acetylcholin-Rezeptoren (kurz nAChR). Das sind Andockstellen, die eigentlich für den körpereigenen Botenstoff Acetylcholin gedacht sind. Was für Aufgaben dieser Stoff hat, lässt sich gar nicht so leicht herunterbrechen. Sie sind breit gefächert und betreffen unter anderem das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und den Schlafrhythmus. 31 Nikotin ähnelt diesem genug, um sich anstelle des Acetylcholins einzuklinken und damit eine ganze Kettenreaktion in Gang zu setzen. Dabei wird unter anderem der Neurotransmitter Dopamin ausgeschüttet, wodurch wiederum das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert wird. 6, 8

Genau in diesem Mechanismus liegt die Erklärung für zwei Dinge zugleich: die als angenehm erlebte Wirkung und das daraus potenziell resultierende Suchtpotenzial.

Anflutung: Wie schnell Nikotin ankommt

Genau hier kommt die Vielzahl an unterschiedlichen Nikotinprodukten ins Spiel. Wie schnell diese chemischen Reaktionen im Gehirn angeregt werden, liegt nämlich vor allem an der Zufuhrform des Nikotins. Beim Rauchen einer klassischen Zigarette beispielsweise erreicht Nikotin das Gehirn innerhalb weniger Sekunden, wobei die Angaben verschiedener Fachquellen zwischen 7 bis 10 Sekunden 5 und 10 bis 20 Sekunden schwanken. 2, 6 Ausschließlich in diesem Aspekt ist Nikotin mit härteren Drogen vergleichbar, was einen wesentlichen Teil seines hohen Abhängigkeitspotenzials erklärt. 5

Aber wie verhält es sich wiederum, wenn Nikotin nicht inhaliert, sondern über die Mundschleimhaut aufgenommen wird, wie es etwa bei Snus und Nikotinbeuteln der Fall ist? Dabei verläuft die Anflutung spürbar langsamer und flacher und bei Nikotinpflastern, die über die Haut wirken, fällt sie sogar noch gleichmäßiger aus. Die Faustregel dahinter: Je langsamer der Anstieg, desto schwächer der Belohnungsreiz. Genau dieser pharmakologische Zusammenhang ist es auch, der Nikotinersatzprodukte bei einem Rauchstopp als Unterstützung sinnvoll machen könnte.

Macht Nikotin wach oder müde?

Warum kann ein und derselbe Stoff Dich sowohl wachrütteln als auch beruhigen? Die Antwort hängt weniger vom Nikotin selbst ab, als davon, in welcher Stimmungslage Du es konsumierst. 2 Hier lassen sich auf den ersten Blick keine wirklich greifbaren Aussagen treffen. Die Auswirkungen von Nikotin auf Deinen Körper lassen sich jedoch eindeutiger erfassen. Durch den Nikotinkonsum wird der Herzschlag beschleunigt, die Blutgefäße verengt und der Blutdruck steigt an, was wiederum die Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin zur Folge hat. 2, 3

Dass trotzdem viele Konsumierende von Entspannung sprechen, ist dabei kein Widerspruch, sondern Ergebnis einer komplexen Wechselwirkung von Nikotin mit verschiedenen Rezeptortypen im zentralen und peripheren Nervensystem. 6 Ein weiterer Effekt kommt bei intensiverem Konsum hinzu. Je nach Abhängigkeitsgrad entsteht der Teil der gefühlten Entspannung lediglich durch das Abklingen beginnender Entzugssymptome, sprich Erleichterung statt echter Ruhe.

Gerade die kardiovaskulären Auswirkungen, also die, die das Herz-Kreislauf-System betreffen, werfen vor allem bei Sportbegeisterten immer wieder die Frage auf, welchen Einfluss Nikotin auf die Leistungsfähigkeit, Regeneration und auch Muskelaufbau hat. Aber was braucht ein Muskel eigentlich, um zu wachsen? Vor allem die Stunden nach dem Training sind für den Muskelaufbau entscheidend und genau in dieser Erholungsphase setzt Nikotin an. Aufgrund der nikotininduzierten Gefäßverengung und des erhöhten Ruhepulses belastet es tatsächlich die Regeneration, was wiederum den Muskelaufbau behindern kann. 13, 14

Leistungssteigernde Effekte hingegen können wissenschaftlich nicht belegt werden. Hinzu kommt, dass Nikotin in den Zucker- und Fettstoffwechsel eingreift und das Hungergefühl dämpft. 6 Das liefert auch die Erklärung für die häufige Gewichtszunahme bei einem Rauchstopp, da der appetithemmende Effekt schlichtweg entfällt, während sich der Stoffwechsel neu reguliert.

Der Nikotinflash — Kribbeln, Schwindel und was dahintersteckt

Wenn Du ein kurzes Kribbeln, einen Anflug von Schwindel oder sogar ein Wärmegefühl unmittelbar nach der Nikotinaufnahme spürst, dann ist das eine körperliche Reaktion, die umgangssprachlich als Nikotinflash bezeichnet wird. Ausgelöst werden kann er grundsätzlich von jedem Nikotinprodukt, gleichgültig, ob er von einer Zigarette, Snus, Nikotinbeuteln oder einer E-Zigarette stammt.

Entscheidend ist dabei nicht das Produkt selbst, sondern eher das Zusammenspiel aus Dosis, Anflutungsgeschwindigkeit, also wie schnell ein Wirkstoff in den Blutkreislauf gelangt, und der eigenen Nikotintoleranz. Vor allem letzteres erklärt auch ein Phänomen, das viele Erstkonsumierende überrascht: Wer sonst kein Nikotin konsumiert, spürt schon bei einer einzelnen Zigarette einen deutlichen Flash, während er bei zunehmender Gewöhnung ausbleibt und erst bei einer deutlich höheren Dosis erneut auftritt. Aber: Kann das gefährlich werden? Hintergrundwissen dazu, was im Körper genau passiert und ab wann der Flash ein Warnsignal für eine zu hohe Dosierung ist, findest Du im Artikel Was ist ein Nikotinflash?.

mehr zur Wirkung von Nikotin erfahren

Nikotin im Körper — Aufnahme, Abbau und Nachweis

Die Art und Weise, wie Nikotin überhaupt ins Blut gelangt, ist vielseitig. Grundsätzlich ist die Aufnahme in den Körper schnell und effizient und kann über die Lungenschleimhaut beim Rauchen, über die Mundschleimhaut bei Snus und Nikotinbeuteln, über die Haut bei Nikotinpflastern oder bei direktem Hautkontakt mit der Substanz selbst erfolgen. 6 Die Geschwindigkeit, mit der Nikotin in den Blutkreislauf gelangt, beeinflusst maßgeblich die Intensität der anschließenden Wirkung.

Halbwertszeit und Abbau

Wie lange bleibt Nikotin eigentlich im Körper? Um diese Frage zu beantworten, lohnt es sich, einen näheren Blick auf den Abbauprozess von Nikotin zu werfen. Der Abbau von Nikotin findet in der Leber statt, wo es zum Metabolit (Abbauprodukt) Cotinin umgewandelt wird. Cotinin bleibt bei einer Blut- oder Urinuntersuchung wesentlich länger nachweisbar als der Wirkstoff Nikotin selbst. Während die Halbwertszeit von Nikotin im Blut, also die Zeitspanne, nach der nur noch die Hälfte des Stoffes im Körper nachweisbar ist, bei etwa zwei Stunden liegt, lässt sich Cotinin je nach Nachweismethode noch Tage später messen. 15, 16

Deshalb ist Cotinin in der Praxis – etwa in der Arbeitsmedizin oder bei Krankenversicherungen – der gängige Marker für Nikotinkonsum. Wie lange die einzelnen Zeitfenster für Blut, Urin, Speichel und Schnelltests konkret ausfallen, kannst Du im separaten Artikel Wie lange bleibt Nikotin im Körper? nachlesen.

Produziert der Körper selbst Nikotin?

Der Gedanke, dass der menschliche Körper Nikotin selbst produzieren kann, erscheint zunächst logisch, da er exakt über die Rezeptoren verfügt, an denen es andocken kann. 6, 8 Aber letztlich ist es einfach ein außergewöhnlicher Zufall der Natur. Wie Du bereits im Kapitel über die Nikotinwirkung gelesen hast, wird dieses längst vorhandene System schlicht vom Nikotin ausgenutzt, weil seine Molekülstruktur dem körpereigenen Acetylcholin ausreichend ähnelt, um an dieselben Rezeptoren anzudocken.

Nikotin Gesundheit & Risiken — Was die Forschung sagt

Ist Nikotin schädlich?

Das ist wohl eine der häufigsten Fragen, die im Zusammenhang mit Nikotinprodukten aufkommt. Die Antwort darauf, wie gesundheitsschädlich Nikotin selbst ist und welcher Anteil davon den Folgen des Tabakrauchens zuzuordnen ist, lässt sich jedoch nicht auf eine einfache Aussage reduzieren, sondern liegt, wie so oft, im Zusammenspiel aus mehreren Faktoren. Nikotin allein verursacht nicht die schwersten Gesundheitsschäden, die gemeinhin mit dem Rauchen assoziiert werden. Diese gehen weitgehend auf das Konto der mehr als 5.300 weiteren Substanzen, die im Tabakrauch enthalten sind. 2 Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass Nikotin selbst als unbedenklich gilt. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) hält ausdrücklich fest, dass Nikotin im Verdacht steht, Atherosklerose, Typ-2-Diabetes und Krebs zu begünstigen. 1 Beide Aussagen gelten gleichermaßen und gehören somit auch zu einer ehrlichen Antwort.

Gerade beim Thema Krebs ist eine Unterscheidung zwischen Nikotin und Tabakrauch wichtig. Letzteres hat eine wissenschaftlich erwiesene krebserregende Wirkung. Ob Nikotin als Einzelsubstanz tatsächlich krebserregend ist, gilt jedoch als nicht abschließend geklärt. Für Nikotin selbst spricht das DKFZ bislang von einem Verdacht. 1 Die Bezeichnung als Nervengift lässt sich wiederum klar einordnen, weil es in höheren Dosen genau das ist – ein Stoff, der gezielt auf das Nervensystem wirkt und in ausreichender Menge toxisch werden kann. 3 Die Dosis macht folglich das Gift.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf ist es auch einfacher nachzuvollziehen, warum Nikotin vereinzelt als möglicher Wirkstoff untersucht wird. Ein Behandlungsansatz wurde beispielsweise im Zusammenhang mit Long Covid diskutiert. Dahinter stecken bislang lediglich wissenschaftliches Forschungsinteresse und eine Handvoll kleiner Studien, aber keine belegte Therapie. 17 Eine Selbstbehandlung mit Nikotinprodukten lässt sich daraus jedoch ausdrücklich nicht ableiten.

Kardiovaskuläre und metabolische Effekte

Die Auswirkungen von Nikotin auf das Herz-Kreislauf-System wurden bereits im vorherigen Kapitel betrachtet. Sie sind wissenschaftlich gut dokumentiert – und weit weniger harmlos, als der kurze Rausch vermuten lässt. Es erhöht den Blutdruck, steigert die Thromboseneigung (also die Neigung zur Blutgerinnung) und löst eine Ausschüttung von Stresshormonen aus. Aber auch der Stoffwechsel bleibt davon nicht unberührt. Nikotin fördert die Bildung von Magensäure und birgt somit das Risiko unangenehmes Sodbrennen auszulösen beziehungsweise den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre, also einen sogenannten Reflux, zu induzieren. 3 Bei einmaligem Konsum sind das vorübergehende Reaktionen des Körpers, wohingegen bei dauerhaftem Konsum genau diese Belastung des Gefäßsystems bestehen bleibt.

Risiken in der Schwangerschaft

Ein besonders sensibles Thema ist Nikotinkonsum in der Schwangerschaft, und hier ist die Sachlage eindeutig: Nikotin kann die Entwicklung des ungeborenen Kindes stark schädigen und somit langfristige gesundheitliche Folgen haben. 1 Dabei macht es keinen entscheidenden Unterschied, in welcher Form das Nikotin aufgenommen wird. Nikotinprodukte jeder Art – Nikotinersatzprodukte eingeschlossen – sollten in Schwangerschaft und Stillzeit nicht verwendet werden. Mehr dazu kannst Du im Artikel Rauchen in der Schwangerschaft nachlesen.

Toxizität und Vergiftung

Was in geringer Dosis Dein Belohnungssystem aktiviert, wird in hoher Dosis zum Gift. Schon das Verschlucken kleiner Mengen von Nikotin kann starkes Erbrechen auslösen. 3 Wie giftig Nikotin in absoluten Zahlen tatsächlich ist, lässt sich dabei nicht ganz so eindeutig beziffern, wie man erwarten würde. Der sogenannte LD50-Wert – jene Dosis, die für die Hälfte einer Testpopulation tödlich wäre – wird in der Fachliteratur unterschiedlich angegeben.18 Aktuelle Schätzungen für den Menschen liegen deutlich höher als ältere Angaben. Praktisch relevant ist vor allem der Umgang mit hochkonzentrierten Nikotinlösungen, wie sie etwa für E-Liquids verwendet werden. Welche Symptome auf eine Nikotinvergiftung hindeuten und was im Ernstfall zu tun ist, erfährst Du im Artikel Nikotinvergiftung: Symptome und Behandlung.

Die Giftigkeit von Nikotin hängt nicht allein von der Substanz und der Menge selbst ab, sondern auch von der Form, in der sie konsumiert wird. Wie sich das Risikoprofil bei tabakfreien oralen Produkten unterscheidet, kannst Du im folgenden Artikel lesen: Snus - Nebenwirkungen und Langzeitfolgen erklärt.

Nikotinsucht — Wie Abhängigkeit entsteht

Warum reicht eine Zigarette am Anfang, während später eine ganze Packung eine kaum spürbare Wirkung entfaltet? Dahinter steht ein Anpassungsmechanismus, den das Gehirn selbst in Gang setzt. Auf die wiederholte Dopaminausschüttung reagiert es, indem es seine eigene Empfindlichkeit herabsetzt und zusätzliche Rezeptoren bildet. Die gleiche Dosis erzielt zunehmend eine geringere Wirkung. Die logische Folge ist also, dass das Gehirn mehr Nikotin braucht, um einen vergleichbaren Effekt zu erzielen wie zu Beginn. Diese Toleranzentwicklung ist ein zentraler Bestandteil der körperlichen Abhängigkeit. 6

Doch körperliche Anpassung allein erklärt nicht, warum das Konsumverlangen so hartnäckig werden kann. Hier spielt die psychische Komponente eine wesentliche Rolle. Situationen, Emotionen und soziale Kontexte werden mit dem Konsum verknüpft und lösen später eigenständig und unabhängig vom körperlichen Entzug Verlangen aus. Das kann vom Kaffee am Morgen, über die Pause vor dem Bürogebäude bis hin zum stressbehafteten Anruf reichen. Jede dieser Situationen kann zum eigenständigen Auslöser werden.

Wie ausgeprägt das Abhängigkeitspotenzial von Nikotin ist, zeigt sich auch in der Forschung. Das neurowissenschaftliche Magazin dasgehirn.info ordnet die Suchtwirkung von Nikotin als besonders hoch ein und nennt lediglich Kokain und Heroin als Substanzen mit einem noch stärkeren Suchtpotenzial. 6 Gerade bei Jugendlichen kann sich eine Abhängigkeit bereits nach vergleichsweise kurzer Konsumdauer entwickeln. 5 Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bewertet Nikotinabhängigkeit ausdrücklich als ernsthafte gesundheitliche Beeinträchtigung. Dabei ist nicht relevant, über welches Produkt das Nikotin aufgenommen wird. 3

Wo die Grenze zwischen regelmäßigem Konsum und einem problematischen Konsumverhalten verläuft und welche Kriterien Fachleute dafür anlegen, kannst Du im Artikel Nikotinabusus: Ursachen, Auswirkungen und Behandlung nachlesen.

zum Nikotinsucht Artikel

Nikotinentzug — Symptome, Dauer und Unterstützung

Doch was passiert, wenn die regelmäßige Nikotinzufuhr plötzlich ausbleibt? Bei Menschen, die über längere Zeit Nikotin konsumiert haben, können bereits innerhalb weniger Stunden erste Entzugssymptome auftreten. Dazu zählen vor allem starkes Verlangen nach Nikotin, sogenanntes Craving, Reizbarkeit, innere Unruhe, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen und eine gedrückte Stimmung. 19 Wie stark die einzelnen Beschwerden ausfallen, ist individuell verschieden. 3, 6

Auch die Dauer des Entzugs lässt sich nicht auf einen festen Zeitraum festlegen. Die Beschwerden sind meist in den ersten Tagen besonders ausgeprägt und klingen anschließend zunehmend ab. Nach Angaben des DKFZ sind die körperlichen Entzugserscheinungen in der Regel nach einigen Tagen verschwunden. Einzelne Symptome, insbesondere das Verlangen nach Nikotin können jedoch länger bestehen bleiben. 1, 6

Wer zum Ausstieg einen abrupten Schlusspunkt ohne jegliche Kompensation wählt, setzt sich grundsätzlich keiner gesundheitlichen Gefahr aus. Die sogenannte Schlusspunkt-Methode, umgangssprachlich besser bekannt als ‚kalter Entzug', gilt nicht nur als unangenehmste Variante des Rauchstopps, sondern hat gleichzeitig auch die höchste Rückfallquote. 19, 20 Unterstützung in Form von Nikotinersatzprodukten wie Pflastern oder Kaugummis können den Entwöhnungsprozess jedoch erleichtern und Entzugssymptome lindern, während verhaltenstherapeutische Angebote dabei helfen, mit Verlangen und eingeprägten Konsummustern umzugehen. Ergänzend stehen dazu Beratungs- und digitale Unterstützungsangebote zur Verfügung. 1, 3

mehr zum Nikotinentzug

Nikotin Anwendung & Dosierung — Wie viel ist wie viel?

Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie viel Nikotin tatsächlich viel ist, solltest Du nicht nur die Menge des enthaltenen Nikotins betrachten, sondern auch, wie schnell es in den Blutkreislauf gelangt. Genau hier unterscheiden sich die verschiedenen Konsumformen voneinander. Wird Nikotin über die Lunge aufgenommen, steigt seine Konzentration im Blut innerhalb kurzer Zeit deutlich an. Bei einer Aufnahme über die Mundschleimhaut erfolgt dieser Anstieg langsamer und kann sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. 3, 6

Diese zwei Aspekte solltest Du beim Vergleich verschiedener Nikotinprodukte im Hinterkopf behalten. Erst das Zusammenspiel von Dosis und Aufnahmegeschwindigkeit lässt Rückschlüsse darauf zu, wie intensiv die Wirkung ausfällt und wie schnell sie einsetzt. Auch für das Abhängigkeitspotenzial spielt die Geschwindigkeit der Nikotinaufnahme eine wichtige Rolle.

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Nikotingehalt im Vergleich

Um diesen Vergleich zu ziehen, ist es sinnvoll zu wissen, wie viel Nikotin in einer klassischen Zigarette steckt und wie viel davon letztendlich in den Körper gelangt. Eine Zigarette enthält je nach Produkt typischerweise etwa 10 bis 14 mg Nikotin. Beim Rauchen wird davon allerdings nur ein relativ geringer Teil aufgenommen. Häufige Angaben belaufen sich auf etwa 1 bis 2 mg pro Zigarette. 4, 21 Dies verdeutlicht, wie wichtig die Unterscheidung zwischen dem Nikotingehalt eines Produkts und der tatsächlich aufgenommenen Menge ist.

Bei Nikotinbeuteln verhält sich das etwas anders: Die enthaltene Menge pro Portion lässt sich in der Regel unmittelbar ablesen, was die Angabe zunächst transparenter macht. Die Aufnahmeart unterscheidet sich jedoch grundlegend vom Rauchen. Nikotin gelangt über die Mundschleimhaut in den Körper und steigt dadurch langsamer im Blut an als nach dem Inhalieren. Dafür kann die Aufnahme über einen längeren Zeitraum erfolgen. Ein direkter Vergleich allein anhand der Milligrammzahl würde folglich zu kurz greifen. Wie sich die verschiedenen Angaben und Aufnahmemengen im Detail unterscheiden, kannst Du im Artikel Wie viel Nikotin hat eine Zigarette? nachlesen.

Milligramm, Prozent, mg/g: Wie viel sind 20 mg Nikotin?

Bei Nikotinangaben werden gerne drei Einheiten durcheinandergeworfen, was zunächst für Verwirrung sorgen könnte. Deshalb schafft ein kurzer Überblick Klarheit. Bei E-Liquids wird der Nikotingehalt in mg/ml oder in Prozent angegeben. Das sind zwar zwei unterschiedliche Angaben, die Umrechnung ist aber recht simpel: 2 % entsprechen 20 mg/ml Nikotingehalt und 1,6 % entsprechen 16 mg/ml. Du kannst Dir also folgende Regel merken: Die Prozentzahl einfach mal zehn rechnen, dann erhältst Du den Wert in mg/ml. Gut zu wissen ist dabei auch, dass 20 mg/ml bzw. 2 % die in der EU zulässige Obergrenze für nikotinhaltige Liquids markieren. Somit gelten diese als Maximum und keinesfalls als Einstiegsdosierung.

Bei Snus und Nikotinbeuteln wiederum steht die Angabe in mg pro Beutel oder in mg/g. Ein direkter Vergleich mit E-Liquids greift hier zu kurz, denn ein Teil des Nikotins verbleibt im Beutel, und die Aufnahme über die Mundschleimhaut erfolgt ohnehin langsamer als beim Inhalieren. Zur Orientierung arbeiten wir bei Snuzone mit fünf Stufen in mg/g: Leicht 1 bis 5 mg/g, Mittelstark 6 bis 9 mg/g, Stark 10 bis 14 mg/g, Extra Stark 15 bis 20 mg/g, Ultra Stark ab 21 mg/g. Ähnlich wie bei den E-Liquids liegt ein Wert von 20 mg/g damit bereits am oberen Ende von Extra Stark und ist entsprechend nichts für den Einstieg.

Nikotinbeutel und Snus als Trägerprodukte

Was ist Snus und was unterscheidet es und Nikotinbeutel bzw. Nicotine Pouches schließlich von klassischen Tabakprodukten? Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Art der Aufnahme des Nikotins. Diese Trägerprodukte werden oral konsumiert, sodass weder Tabakrauch noch die bei der Verbrennung entstehenden Stoffe wie Nitrosamine inhaliert werden. Nicotine Pouches und Snus unterscheiden sich dennoch beim Tabakgehalt. Nikotinbeutel sind tabakfrei, während klassisches Snus tatsächlich Tabak enthält. 2, 3, 10

Damit verändert sich das Stoffgemisch, dem der Körper ausgesetzt ist. Das Nikotin selbst bleibt jedoch derselbe Wirkstoff. Die unterschiedliche Produktform verändert daher zwar das Risikoprofil, nicht aber das grundsätzliche Abhängigkeitspotenzial von Nikotin. 2, 3, 10

Wie sich die Wirkung von Nikotin bei oraler Aufnahme genau entfaltet und worin sich Nikotinbeutel und Snus im Detail unterscheiden, beschreibt der Artikel Snus Wirkung & welche Faktoren die Wirkstärke beeinflussen.

Hier findest Du zudem eine Auswahl unserer beliebtesten Nikotinbeutel:

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Formen von Nikotin

Nikotin bedeutet nicht gleich Nikotin. Wie Nikotin in einzelnen Produkten vorkommt und auf welchem Weg es gewonnen wird, kann sich erheblich unterscheiden. Dabei gibt es mehr Unterschiede, als man auf den ersten Blick vermutet. Nikotin kann in verschiedenen chemischen Formen vorliegen und entweder aus der Tabakpflanze gewonnen oder synthetisch hergestellt werden.

Ausdrücke wie freies Nikotin, auch Free Base genannt, oder Nikotinsalz sind Dir sicher schon einmal untergekommen. Auch Begriffe wie extrahiertes oder synthetisches Nikotin sind einigen Konsumierenden geläufig. Hinter den verschiedenen Formen von Nikotin stecken unterschiedliche Wege, wie Nikotin gewonnen, aufbereitet und in ein Produkt gebracht wird. Doch bevor aus dem Rohstoff eine dieser Formen wird, lohnt sich ein kurzer Blick darauf, wie Nikotin in seiner reinen Form überhaupt aussieht und welche Eigenschaften es mitbringt.

Reines / flüssiges Nikotin — der Rohstoff hinter allen Produkten

Bevor Nikotin in einem der bekannten Nikotinprodukte vorkommen kann, liegt es als reiner Rohstoff vor. Bei Raumtemperatur ist Nikotin eine ölige, farblose bis leicht gelbliche Flüssigkeit mit charakteristischem, stechendem Geruch. Kommt es mit der Luft in Kontakt, oxidiert es und nimmt dabei schnell eine bräunliche Färbung an. Auch die chemischen Eigenschaften sind für den Umgang mit dem Rohstoff entscheidend. Es ist polar und gut wasserlöslich und wird deshalb über Schleimhäute und Haut schnell aufgenommen. 7 Genau aus diesem Grund ist reines Nikotin keine Substanz für den direkten Umgang oder Konsum und wird deshalb in Deutschland nicht frei an Konsumierende verkauft, sondern dient lediglich als Rohstoff für die Herstellung verschiedener Produkte wie E-Liquids, Nikotinpflaster, Kaugummis oder Nikotinbeutel.

Doch wie wird aus diesem Rohstoff ein fertiges Produkt? Die Antwort auf diese Frage hängt zunächst von der Herkunft des verwendeten Nikotins ab.

Zigarette, Nikotinbeutel, E-Liquid und Nikotinpflaster als verschiedene Nikotinformen

Zigaretten, Nikotinbeutel, E-Liquids und Nikotinpflaster enthalten Nikotin, unterscheiden sich aber in ihrer Form und Anwendung.

Herstellung von Nikotin: Extrahiert oder synthetisch

Wie wird der Rohstoff für die weitere Verarbeitung gewonnen? Das Nikotin in Nikotinbeuteln, Liquids und Nikotinersatzprodukten kann auf zwei Wegen hergestellt werden. Einfach gesagt wird es entweder aus der Tabakpflanze extrahiert und anschließend gereinigt oder vollständig synthetisch im Labor hergestellt, ganz ohne Tabak als Ausgangsstoff. Chemisch entsteht in beiden Fällen dasselbe Molekül. Unterschiede können sich jedoch beim Reinheitsgrad, bei den Herstellungskosten und bei der regulatorischen Einordnung ergeben. Entscheidend ist dabei weniger die Herkunft des Nikotins als vielmehr das konkrete Produkt und sein rechtlicher Anwendungsbereich. 3, 22

Chemische Formen von Nikotin in Produkten

Unabhängig von der Herkunft stellt sich die eigentlich entscheidende Frage: In welcher chemischen Form liegt das Nikotin im fertigen Produkt vor und was bedeutet das für die Aufnahme im Körper? Drei Formen sind in der Praxis relevant.

Freies Nikotin (Free Base)

Freies Nikotin ist die ungebundene, alkalische Grundform des Moleküls – Nikotin gewissermaßen in seiner unverfälschten Gestalt. Diese Form ist flüchtig und wird über die Lunge außergewöhnlich schnell aufgenommen, was erklärt, warum sich eine Zigarette binnen Sekunden bemerkbar macht. Klassische Zigaretten liefern Nikotin nämlich hauptsächlich als Free Base. Genau diese Flüchtigkeit steckt hinter dem unmittelbaren, kaum zu übersehenden Effekt, den viele mit dem Rauchen verbinden.

Nikotinsalz

Wenn freies Nikotin wiederum mit einer Säure reagiert, meist Benzoesäure oder Milchsäure, entsteht eine deutlich stabilere, weniger flüchtige Verbindung, das sogenannte Nikotinsalz. Über die Schleimhäute wird es gleichmäßiger aufgenommen als freies Nikotin, und genau das spürst Du auch im Konsum. Deshalb kommt Nikotinsalz in vielen Nikotinbeuteln und modernen E-Liquids zum Einsatz. Im Hals fühlt es sich spürbar sanfter an, und die Anflutung fällt deutlich moderater aus als bei Free Base.3 Dieser Unterschied kann besonders beim Umstieg auf ein anderes Produkt oder für empfindlichere Konsumierende relevant sein.23

Nikotinresinat

Die dritte Form geht einen ganz anderen Weg: Hier wird Nikotin nicht einfach in Salzform gebunden, sondern an einen Ionenaustauscher gekoppelt, ein Kunstharz, das den Wirkstoff wie ein Schwamm festhält, bis er gebraucht wird. Pharmazeutisch trägt diese Verbindung den Namen Nicotine Polacrilex. 25 Das Nikotin sitzt dabei an einem Polacrilin-Kalium-Harz und wird erst freigegeben, wenn es im Mund gegen Ionen aus dem Speichel ausgetauscht wird. Beim Nikotinkaugummi beispielsweise ist es genau das Kauen, das diesen Austausch in Gang setzt.

Das Ergebnis spürst Du unmittelbar. Die Aufnahme über die Mundschleimhaut verläuft deutlich langsamer und gleichmäßiger als bei den beiden anderen Formen, ganz ohne die ausgeprägten Spitzen und Einbrüche im Wirkverlauf, die freies Nikotin oder Nikotinsalz mit sich bringen können. Klassischerweise findet sich Nicotine Polacrilex in Nikotinkaugummis und Lutschtabletten aus der Apotheke, inzwischen aber auch in tabakfreien Nikotinbeuteln wie in den Produkten von Helwit, die auf reinem Polacrilex basieren oder auch bei Produkten von NOAT, bei denen mit Mischformen mit Haferfasern gearbeitet wird.

Hier findest Du eine Auswahl der beliebtesten Helwit Produkte:

Wie sich diese besondere Form von Nikotin im Detail auf Deinen Konsum auswirkt, ordnet der Artikel Snus und Nikotinbeutel mit Nicotine Polacrilex ein.

Produkt Nikotinform Anflutung
Zigarette freies Nikotin (Free Base) aus dem Tabak sehr schnell über die Lunge
Nikotinbeutel und Snus meist Nikotinsalz mittel über die Mundschleimhaut
E-Liquid / Vape Nikotinsalz oder Free Base schnell über die Lunge
Nikotinkaugummi und Lutschtabletten Nikotinresinat (Nicotine Polacrilex) langsam, durch Kauen gesteuert
Nikotinpflaster freies Nikotin in einer Klebematrix sehr langsam und gleichmäßig

Nikotinsonderformen und veränderte Strukturformel

Neben den etablierten Nikotinformen tauchen auf dem Markt vereinzelt auch Produkte mit chemisch veränderten Nikotinanaloga auf, also chemisch verwandte, aber leicht veränderte Verbindungen wie etwa 6-Methylnikotin. 26 Daneben gibt es unterschiedliche Darreichungsformen wie Pouches, Plättchen oder Stäbchen, bei denen sich vor allem die Freisetzung und Aufnahme des enthaltenen Wirkstoffs unterscheiden können. Für die Wirkung ist daher nicht allein die Bezeichnung des Produkts entscheidend, sondern auch die enthaltene Menge, die Geschwindigkeit der Freisetzung und die anschließende Aufnahme in den Körper. Rechtlich können solche neuen Varianten jedoch eine besondere Rolle spielen, da die geltenden Vorschriften teilweise ausdrücklich an Nikotin oder bestimmte Produktkategorien anknüpfen. Bei 6-Methylnikotin hat die chemische Veränderung daher nicht nur pharmakologische, sondern auch regulatorische Bedeutung.

Das BfR weist darauf hin, dass entsprechende Produkte unter anderem als Versuch gesehen werden, bestehende Nikotin- und Tabakregulierungen zu umgehen. 26 Gleichzeitig ist die rechtliche Einordnung solcher Produkte nicht pauschal möglich, sondern hängt von ihrer konkreten Zusammensetzung und Produktkategorie ab. 27

Es gibt also unterschiedliche Formen, in denen Nikotin in den verschiedenen Produkten vorkommt – und das entscheidet maßgeblich mit, welche Nikotinform für Dich am besten passt. Wenn Du genauer wissen möchtest, welche Nikotinformen in den verschiedenen Produkten zum Einsatz kommen und was das konkret für die Wirkung bedeutet, findest Du mehr dazu in dem Artikel Drei Nikotinformen in Nikotinbeuteln und Snus.

Nikotin entfernen — Flecken und Rückstände beseitigen

Doch Nikotin ist nicht nur eine Frage theoretischer Chemie. Es hinterlässt reale Spuren. Gelbliche bis bräunliche Verfärbungen an Fingern und Zähnen sowie an Wänden, Türen und Textilien sind typische Begleiterscheinungen langjährigen Rauchens. Verantwortlich dafür ist allerdings nicht das Nikotin allein. Der größere Teil der Verfärbung geht auf Teer und weitere Verbrennungsprodukte des Tabakrauchs zurück. Durch Oxidation, die chemische Reaktion mit Sauerstoff, trägt Nikotin zwar zur bräunlichen Verfärbung bei, ist aber keineswegs die Hauptursache.

Welche Beseitigungsmethode am besten funktioniert, hängt vor allem davon ab, wo die Rückstände sitzen. Bei gelben Fingern können gründliches Waschen und milde Reinigungsmittel helfen, während sich oberflächliche Verfärbungen an den Zähnen am besten professionell entfernen lassen. Auf Raufasertapete, Möbeln und anderen Oberflächen kommen je nach Material geeignete Reinigungsmittel zum Einsatz. Bei stark vergilbten Wänden reicht einfaches Abwischen oft nicht mehr aus. Dabei braucht es vor dem Überstreichen eine Sperrgrundierung, die verhindert, dass die Verfärbung durch die neue Farbschicht durchschlägt.

Und dann wäre da noch der Geruch. Er kann sich tief in Textilien, Tapeten oder Autopolsterungen festsetzen und bleibt oft noch lange bestehen, wenn die sichtbaren Verfärbungen längst verschwunden sind.

Wenn Du Nikotinflecken an Wänden, Möbeln oder Textilien loswerden möchtest, dann findest Du im Artikel Nikotinflecken richtig entfernen - Tipps und Tricks konkrete Tipps und geeignete Hausmittel. Welche Mittel wiederum bei gelben Fingern hilfreich sind, kannst Du im Artikel Gelbe Finger vom Rauchen - was gegen Raucherfinger hilft erfahren.

Nikotin — Wissen & Kurioses

Woher der Name kommt

Der Namensgeber des Wirkstoffs und zugleich der Pflanzengattung Nicotiana ist der französische Diplomat Jean Nicot, der Tabak im 16. Jahrhundert in Frankreich bekannt machte. Als Gesandter am portugiesischen Hof lernte er in Lissabon das Gewächs kennen, dem man damals eine wundersame Heilkraft nachsagte, und schickte 1560 die ersten Tabaksamen nach Paris. Daraufhin wurde Tabak am französischen Hof vor allem als „Pulver der Königin" bekannt: Die damalige Regentin selbst entwickelte eine große Vorliebe für das Tabakschnupfen. 28

Nikotin als Pestizid und sein EU-Verbot

Dass die Tabakpflanze Nikotin als natürliche Abwehr von Insekten produziert, machten sich Menschen für lange Zeit zunutze. Jahrhundertelang wurden nikotinhaltige Extrakte gezielt als Insektizide eingesetzt, etwa um Blattläuse von Nutzpflanzen fernzuhalten. Mit wachsendem Wissen über die Risiken für Mensch und Umwelt wurde der Einsatz als Pestizid in der EU inzwischen untersagt. 4 Genau diese Toxizität hat Konsequenzen im Alltag mit Haustieren. Nikotinprodukte wie beispielsweise Zigarettenkippen und gebrauchte Nikotinbeutel können für Haustiere, insbesondere Hunde und Katzen, gefährlich werden, wenn sie den Abfall mit Nahrung verwechseln. Folglich gehören Nikotinprodukte jeglicher Art, sowohl gebraucht als auch ungebraucht, unbedingt außer Reichweite von Tieren. 29

Enthalten Auberginen, Tomaten und Kartoffeln Nikotin?

Ja, tatsächlich. Auberginen, Tomaten und Kartoffeln gehören wie die Tabakpflanze zur Familie der Nachtschattengewächse und enthalten ebenfalls geringe Mengen Nikotin. Mit dem Nikotingehalt einer Zigarette hat das allerdings kaum etwas zu tun. Eine Studie ermittelte für frische Auberginen Werte von rund 100 µg/kg. 9 Eine weitere Untersuchung kam beispielsweise bei Tomaten auf durchschnittlich 7,3 µg/kg und bei Kartoffeln auf etwa 15 µg/kg Frischgewicht. 30

Kann man aufgrund von zu viel Gemüseverzehr nikotinabhängig werden? Die beruhigende Antwort lautet: auf keinen Fall. Um auf eine Nikotinmenge in der Größenordnung des Gesamtgehalts einer Zigarette (rund 10 bis 14 mg) zu kommen, müsstest Du schon eine außergewöhnlich große Menge Gemüse essen. Bei Auberginen wären das rund 100 bis 140 kg. Bei Tomaten und Kartoffeln, deren Nikotingehalt noch niedriger liegt, wäre die erforderliche Menge sogar noch größer und weit über dem, was Du im Rahmen einer normalen Mahlzeit oder selbst einer sehr gemüsereichen Ernährung verzehren würdest. Der Vergleich macht deutlich, wie gering die natürliche Nikotinmenge in Gemüse im Verhältnis zu Tabakprodukten ist. Gesundheitlich spielt das Nikotin aus Gemüse bei einer normalen Ernährung daher keine relevante Rolle.

Nikotin nicht nur in Zigaretten und Snus, sondern auch in Aubergine, Tomate und Kartoffel

Aubergine, Tomate und Kartoffel enthalten natürlicherweise geringe Mengen Nikotin – jedoch weitaus weniger als Zigaretten oder Nikotinbeutel.

Produkt Nikotingehalt
Aubergine (1 kg) ~100 µg
Tomate (1 kg) ~7,3 µg
Kartoffel (1 kg) ~15 µg
Zigarette ~10–14 mg
Nikotinbeutel (mittelstark) 6–9 mg

Fazit: Was von Nikotin zu wissen bleibt

Nikotin ist ein Alkaloid, das die Tabakpflanze ursprünglich als natürlichen Schutz vor Fressfeinden entwickelt hat. Im menschlichen Körper entfaltet es jedoch eine ganz andere Wirkung: Es bindet an Rezeptoren im Gehirn, die eigentlich auf den körpereigenen Botenstoff Acetylcholin reagieren. Dabei wird unter anderem das Belohnungssystem aktiviert und Dopamin ausgeschüttet. Genau dieser Effekt trägt wesentlich dazu bei, dass Nikotin ein hohes Abhängigkeitspotenzial besitzt. 6

Wer Nikotin verstehen und gesundheitlich einordnen möchte, sollte dabei zwei Dinge gleichzeitig im Blick behalten. Nikotin ist nicht harmlos, aber es ist auch nicht für sämtliche gesundheitlichen Schäden des Rauchens verantwortlich. Die besonders schweren Folgen des Tabakrauchens entstehen vor allem durch die Vielzahl weiterer Schadstoffe im Tabakrauch, von denen mehr als 5.300 verschiedene Substanzen bekannt sind. 2 Nikotin selbst macht dennoch abhängig, beeinflusst das Herz-Kreislauf-System und wird mit gesundheitlichen Risiken wie Atherosklerose, Typ-2-Diabetes und bestimmten Krebserkrankungen in Verbindung gebracht. 1, 3

Doch auch die Wirkung von Nikotin lässt sich nicht auf eine einfache Formel reduzieren. Entscheidend sind unter anderem Dosis, Aufnahmeweg und Geschwindigkeit der Aufnahme. Wird Nikotin geraucht, über die Mundschleimhaut aufgenommen oder über die Haut zugeführt, unterscheidet sich sein Weg in den Körper und damit auch, wie schnell und intensiv die Wirkung einsetzt.

Am Ende bleibt Nikotin, was es chemisch schon immer war, nämlich ein wirksamer, aber eben auch komplexer Wirkstoff. Es ist weder das harmlose Genussmittel, als das es gerne verkauft wird, noch der reine Schädling, als der es oft verurteilt wird. Wer diese Ambivalenz kennt, kann selbst besser einschätzen, welche Form, welche Dosis und welcher Umgang zur eigenen Situation passen. Genau dieses Wissen ist die Grundlage für jede bewusste Entscheidung, die Du triffst. Sei es für den Umstieg, die Reduktion oder einfach ein besseres Verständnis dessen, was beim Konsum tatsächlich im Körper passiert.

Quellen

  1. DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum): Wie wirkt Nikotin auf die Gesundheit und was macht E-Zigaretten und E-Shishas riskant?(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  2. DKFZ: „Rauchstopp"(Zuletzt aufgerufen am 07.09.2026)
  3. BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung): E-Zigaretten — alles andere als harmlos(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  4. AOK Magazin: Nikotin und seine Wirkung auf Gehirn und Körper(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  5. SUPRO – Stiftung Maria Ebene: Was ist Nikotin?(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  6. dasgehirn.info (wiss. Betreuung: Dr. Stefan Gutwinski): Steckbrief Nikotin(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  7. UA-BW / CVUA Stuttgart: Nikotin in Lebensmitteln(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  8. Barik J (2009): Nicotine and the Brain, PubMed PMID 19184650(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  9. Siegmund, B.; Leitner, E.; Pfannhauser, W.: Determination of the Nicotine Content of Various Edible Nightshades (Solanaceae) and Their Products and Estimation of the Associated Dietary Nicotine Intake, Journal of Agricultural and Food Chemistry(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  10. BfR: Gesundheitliche Bewertung von Nikotinbeuteln (Nikotinpouches)(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  11. drugcom.de (BZgA-nah): Alles über Nikotin(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  12. chemie.de: Nikotin(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  13. Kandola, A.: Does nicotine affect muscle growth? Medical News Today(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  14. Mishra, A. et al.: Harmful effects of nicotine, Indian Journal of Medical and Paediatric Oncology(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  15. DocCheck Flexikon: Nikotin, DocCheck Medical Services GmbH(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  16. SYNLAB MVZ Labor München Zentrum: Leistungsverzeichnis, Eintrag COTU (Cotinin im Urin)(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  17. Helios Park-Klinikum Leipzig: 3.000 Long-COVID Betroffene informieren sich über neue Nikotinpflastertherapie(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  18. ToxDocs (2020): Nikotin. toxdocs.de(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  19. MSD Manuals (2025): Smoking Cessation. MSD Manual Consumer Version(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  20. Lungenärzte im Netz: Nikotinsucht – Therapie(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  21. Tiefenböck, F.; Fux, C. (2026): Zigaretten und andere Tabakwaren: Inhaltsstoffe und Schadstoffe. netDoktor.at(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  22. Berman et al. (2023): Synthetic Nicotine: Science, Global Legal Landscape, and Regulatory Considerations. World Health Organization Technical Report(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  23. Christen et al. (2024): Pharmacokinetics and Pharmacodynamics of Inhaled Nicotine Salt and Free-Base(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  24. snuzone – Nicotine Polacrilex im Snus und Nikotinbeutel(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  25. Drugs.com (2026): Leader Nicotine Polacrilex (gum, lozenge)(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  26. BfR: 6-Methylnikotin in E-Zigaretten: Unzureichende Datenlage-BfR beteiligt sich an Untersuchung des Suchtpotenzials(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  27. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Tabakerzeugnisgesetz – TabakerzG(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  28. BR (Bayerischer Rundfunk): Die Tabakpflanze – Der Siegeszug des Tabaks(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  29. PETPROTECT: Gefahren für Hunde und Katzen im Haushalt(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  30. Davis, R. A.; Stiles, M. F.; deBethizy, J. D.; Reynolds, J. H.: Dietary Nicotine: A Source of Urinary Cotinine, Food and Chemical Toxicology(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  31. Gesundheit.gv.at (2026): Acetylcholin(Zuletzt aufgerufen am 10.09.2026)
  32. Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ): „Jeder siebte Todesfall ist eine Folge des Rauchens – neuer Tabakatlas des Deutschen Krebsforschungszentrums erschienen“ (2025). (Zuletzt aufgerufen am 19.08.2026)

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Häufige Fragen

Nikotin wirkt schnell. Es aktiviert nikotinische Acetylcholinrezeptoren im Gehirn und setzt dabei unter anderem Dopamin frei. Gleichzeitig steigen Herzfrequenz und Blutdruck, die Blutgefäße verengen sich und der Körper schüttet Stresshormone aus. Auch das Hungergefühl kann abnehmen. Bei regelmäßigem Konsum gewöhnt sich der Körper an Nikotin – die Wirkung lässt nach, die Toleranz steigt und es kann eine Abhängigkeit entstehen.

Nikotin ist nicht die Hauptursache der schweren Rauchfolgen, die auf die über 5.300 weiteren Stoffe im Tabakrauch zurückgehen. Harmlos ist es deshalb aber nicht. Nikotin macht abhängig, belastet Herz und Gefäße und steht laut DKFZ im Verdacht, Atherosklerose, Typ-2-Diabetes und Krebs zu fördern.

Nein. Nikotin wird nicht vom menschlichen Körper hergestellt. Er besitzt allerdings Rezeptoren, die normalerweise auf den körpereigenen Botenstoff Acetylcholin reagieren, aber an die Nikotin aufgrund der ähnlichen Molekülstruktur ebenso andocken kann.

Tatsächlich, ja. Allerdings nur in winzigen Mengen. Auberginen, Tomaten und Kartoffeln gehören wie Tabak zur Familie der Nachtschattengewächse und enthalten deshalb natürlicherweise Spuren von Nikotin. Für die Nikotinmenge einer Zigarette müsstest Du allerdings mehr als 100 kg Auberginen essen. Vom normalen Verzehr geht daher kein relevantes Nikotinrisiko aus.

Ja. Nikotin ist eine psychoaktive Substanz. Der Stoff wirkt direkt auf das Gehirn, aktiviert das Belohnungssystem und beeinflusst Stimmung, Aufmerksamkeit und Wahrnehmung. Bei regelmäßigem Konsum gewöhnt sich der Körper daran und es entsteht Toleranz, die mit der Zeit zur Abhängigkeit werden kann.

Wie sieht reines Nikotin aus?

Woher kommt Nikotin ursprünglich?

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